Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2012

11:09 Uhr

Mein Kopf gehört mir

Statements aus Wissenschaft und Recht

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Professoren und Juristen.

DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Enteignung Kreativer ist keine Antwort

Der arme Poet hat seinen Platz in der Kunst nur als Gemälde von Carl Spitzweg. Als Lebensentwurf für Kreative im 21. Jahrhundert ist er ungeeignet. Kreative Leistungen müssen den Kreativen ernähren. Die Enteignung Kreativer ist ebenso wenig eine Antwort auf die Entwicklungen unserer Zeit wie die Monopolisierung der Inhalte durch internationale Großkonzerne. Respekt vor kreativen Leistungen drückt sich in den gezahlten Honoraren aus. Bei Tatort-Autoren genauso wie bei Foto-Journalisten.

LARS BAUERNSCHMITT, Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie Hochschule Hannover

Mein Kopf gehört mir: Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mein Kopf gehört mir

Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.

Kreative Leistungen sind auch Wirtschaftsgut

Kreative Leistungen werden von Menschen erbracht. Sie sind ebenso Ausdrucksform des individuellen Geistes wie Wirtschaftsgut. Nur wenn wir die materiellen und ideellen Interessen von Urhebern auch künftig angemessen schützen, werden sich Kunst, Kultur und Wissenschaft ungehindert fortentwickeln. Denn sprechen wir den Urhebern das Recht ab, frei über ihr geistiges Eigentum zu verfügen, wird das kreative Schaffen zu einem Luxus verkümmern, den man sich leisten können muss. Daran sollten im Land der Dichter und Denker eigentlich auch diejenigen kein Interesse haben, die den freien Zugang zu geistigem Eigentum unter dem verfehlten Hinweis darauf fordern, dass im Allgemeinen für die Schaffung von Werken auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen werde. Derart plakative Meinungen missachten nicht nur die Leistungen der Urheber. Sie gefährden den Standort Deutschland, der in ganz erheblichem Maße von Autoren, Designern, Forschern, Ingenieuren und der Kreativität zahlloser anderer Urheber profitiert.

SVEN DIERKES, Höcker-Rechtsanwälte

Nicht auf bekannte Urheber reduzieren

Die Urheberrechtsdiskussion kann nicht auf ein Geschäftsmodell von Musikern und Künstlern, die bei entsprechender Bekanntheit und Verbreitung auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden hoffen können, reduziert werden. Die Studierenden, die wir ausbilden, sind Medien-Profis - Gestalter von 3D Computer Animationen, Filmen und Dokumentationen, Software- und Games-Programmierer, Cross-Media Redakteure, Entwickler von Marketing-Strategien und Kommunikationskonzepten - und diese wollen dann nach 3 bis 5 Jahren Studium ihre Zukunft gestalten und finanzieren. Die Produkte, die entstehen, sind das Ergebnis eines Qualitätsprozesses, der professionell alle relevanten Medienaspekte - von Medienethik bis Medientechnik - integriert. Nur weil die Digitalisierung ermöglicht, sich diese Produkte mit einem Mausklick zu besorgen, zu speichern und zu nutzen, ist die Formel „Digitaler Wandel fordert Freiheit des Internet“ zu einfach. Denn die digitale Wirtschaft hat bereits einen funktionierenden Mechanismus entwickelt: Urheber entscheiden, wie sie ihren Aufwand kompensiert sehen wollen!

(1) durch Verkauf mit Micropayments oder Abos (wie iTunes und Apps)

(2) durch Vermarktung von Werbeflächen (wie Portale und FreeMail),

(3) durch Ruhm und Ehre, die durch kostenlose Verbreitung entstehen. Die Diskussion über die Hintergründe ist hilfreich und die Chance ist gar nicht mal so schlecht, dass am Ende tatsächlich ein Common Sense zu Recht und Freiheit im Internet entsteht.

HARALD EICHSTELLER, Hochschule der Medien, Stuttgart

Mein Kopf gehört mir: Statements von Künstlern

Mein Kopf gehört mir

Statements von Künstlern

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Autoren und Schriftstellern.

Gültige Regeln sind austariert

Als Präsident der Goethe-Universität trete ich für den Schutz des geistigen Eigentums ein. Wir können nicht einerseits wissenschaftlichen Plagiatoren das Handwerk legen und andererseits der Missachtung von Urheberschutzrechten durch die neuen Möglichkeiten des Internets das Wort reden. Das passt nicht zusammen. Die gültigen Regelungen zum geistigen Eigentum sind aus meiner Sicht gut austariert und sollten weder aufgeweicht, noch verschärft werden. Freilich sollten wir auch darauf hinwirken, wann immer möglich freiwillig auf die kommerzielle Verwertung von Urheberrechten zu verzichten, um dem globalen Wissenspool zu stärken und der Kreativität Freiräume zu verschaffen.

WERNER MÜLLER-ESTERL, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt

Nichts anderes als Freiheitsberaubung

Das Dauerkapern von Sinn, Sprache und Eigenem erledigt, was unsere Welt einmalig, weit und schön macht. Die Vorstellung, dass pausenlos jemand in mich hineingreifen darf, um mich zu plündern, geht mir nicht nur auf den Wecker. Bei Lichte besehen ist es die blanke Gewalt und geistige Piraterie demzufolge auch nichts anderes als Freiheitsberaubung. Geht`s nicht auch fair?

INES GEIPEL, Ex-Leistungssportlerin in der DDR, Schriftstellerin und Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

sebastian

06.04.2012, 11:57 Uhr

zum Urheberstreit kann man stehen wie man will, ich finde es allerdings erschreckend in welchem Umfang das Handelsblatt sich für eine Lobbykampange instrumentalisieren lässt...

Sascha_P

06.04.2012, 17:01 Uhr

Ja, das ist erschreckend! Deshalb keine Abos vom Handelsblatt.

Sascha_P

06.04.2012, 17:03 Uhr

Zu allem Überfluss müssen jetzt Rürup/Maschmeyer ihren Senf dazugeben! Gehts noch peinlicher!?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×