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06.04.2012

11:07 Uhr

Mein Kopf gehört mir

Statements von Künstlern

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Autoren und Schriftstellern.

DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Jeder Mensch hat das Recht, selbst über seine Ideen zu entscheiden

Ja, mein Kopf gehört mir! Deswegen bin ich absolut der Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht hat, selbst zu entscheiden, welche Ideen, mit denen er schwanger geht, er abtreibt und welche er austragen möchte. Bei allem ängstlichen Respekt vor den Piraten dieser Welt wüsste ich allerdings auch nicht, was sie dagegen unternehmen könnten. Ansonsten erscheint mir der Begriff des geistigen Eigentums ein unscharfer Kampfbegriff, da es in der Auseinandersetzung in erster Linie um handfeste Interessen im Kampf um Nutzungs- und Verwertungsrechte geht. Natürlich frage ich mich, inwiefern es "nichtkommerziell" ist, sich etwas umsonst zu besorgen, was eigentlich Geld kostet. Trotzdem möchte ich niemanden hinter Gittern sehen, der nur deshalb zum Verbrecher wurde, weil er etwas von mir lesen wollte, ohne dafür zu bezahlen. Das bitte nicht!

FLORIAN BECKERHOFF, Autor

Kreative Leistungen sind kein Strandgut der Ökonomie

Der Schutz von geistigen und kreativen Leistungen steht nicht zur freien Disposition politischer Parteien oder uns selbst, sie sind kein Strandgut der Ökonomie, auch nicht für 'Piraten' mit ihren Irrlichtern. Der Schutz geistiger Leistung hat Grundrechtsrang sagt das Verfassungsgericht in ständiger Rechtsprechung. Man kann ihn genauso wenig rechtlich beseitigen, wie den Schutz materiellen Eigentums. Noch nicht einmal mit verfassungsändernder Mehrheit. Die Forderungen nach Enteignung der Künstler ist deswegen ebenso politischer Unfug und genauso verfassungswidrig wie es beispielsweise eine Forderung nach Abschaffung der informationellen Selbstbestimmung wäre, das verfassungsrechtliche Grundkonstrukt der Netzfreiheit.

FRED BREINERSDORFER, Drehbuchautor, u. a. „Sophie Scholl – die letzten Tage“

Mein Kopf gehört mir: Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mein Kopf gehört mir

Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.

Unterhaltungsindustrie ist echte Knochenarbeit

Komponieren und Texten sind eine verdammt schwierige Sache. Ich habe 320 Titel geschrieben und komponiert, für uns und für andere Künstler. Das ist ein knallhartes Geschäft. Ich habe teilweise 14 Tage an Textzeilen gesessen und am nächsten Tag wieder alles weggeworfen. Mein erster Text den ich geschrieben habe, 1972, war „Der Hund von Baskerville“. Ein Flop als es rauskam, aber 25 Jahre, später ein Kulthit. Die Unterhaltungsindustrie ist echte Knochenarbeit, sich auf die großen Bühnen zu arbeiten. Ein Weg mit wahnsinnigen Höhen und Tiefen. Es ist die höchste Kunst, ein ganzes Publikum auf seine Seite zu ziehen. Das muss auch bezahlt und geschützt werden.

NORBERT BERGER, Musiker vom Schlagerduo Cindy & Bert

Nadeshda Brennicke, Schauspielerin, fordert eine Kontrollinstanz.

Nadeshda Brennicke, Schauspielerin, fordert eine Kontrollinstanz.

Wir brauchen eine Kontrollinstanz

Das Thema Urheberrecht muss differenziert betrachtet werden! Natürlich wünsche ich mir in Zeiten schwindender Gema- und GVL-Ausschüttungen eine klare Kontrollinstanz im Netz.

Trotzdem finde ich es albern, im rein privaten Bereich, zum Beispiel auf Facebook oder an Freunde, keine Videos meiner Lieblingsbands senden zu dürfen, ohne eine Zensur mit der Meldung: „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ aufgedrängt zu bekommen. Da wünsche ich mir die guten alten Zeiten der Mixtapes zurück. Ich bin ebenso überzeugter Gegner von ACTA, da ich nicht glaube, dass es hier um die Rechte des einzelnen Künstlers geht, sondern um Kontrolle!

NADESHDA BRENNICKE, Schauspielerin

Piraten bedrohen meine Existenz

Ich mag Piraten - wirklich! Wilde Kerle und verwegene Freibeuterinnen entzünden meine schriftstellerische Fantasie. Die Forderung der Piratenpartei nach einer Reform des Urheberrechts bedroht jedoch meine berufliche Existenz. „All for free“, das heißt für mich: Meine schriftstellerische Arbeit ist dem Untergang geweiht. Deshalb: Mein Kopf gehört mir, aber ich teile meine Gedanken gern. Lasst uns miteinander und nicht nur übereinander reden!

KATRIN BURSEG, Autorin

Kommentare (30)

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Gegen_Enteignung

06.04.2012, 15:00 Uhr

Man könnte vermuten, die Piraten sind Kommunisten. Man könnte aber auch vermuten, die Piraten sind Maoisten. Passiert doch gerade in China der Umgang mit geistigem Eigentum auf eine Weise, wie die Piraten sie gerade fordern. Aber, für Maoisten sind die Piraten viel zu oberflächlich, überschätzen sich selbst maßlos in ihrem Sendungsdrang. „Der Strom kommt aus der Steckdose.“ Das könnte auch im Programm der Piraten stehen. Alle Kommentare die hier zu lesen sind zeigen eine mangelnde Fähigkeit zu differenzieren: Alles wird in einen Topf geworfen. Urheberrecht, Nutzungsrecht, Kunstförderung, GEMA, et cetera. Ebenso wird aus dem kleinen eigenen Horizont, zum Beispiel als Softwareentwickler, der mit Open Source Software arbeitet, beurteilt. Die Welt soll plötzlich so funktionieren, wie das Geschäftsmodell mit Open Source Software. Natürlich verdient man dabei Geld. Nur eben an anderen Stellen, mit Service und Support, da die meisten Open-Source-Programme sowieso schlecht dokumentiert sind, und man die Unterstützungs von Softwareentwicklern und Partnern benötigt. Völlig verkannt werden auch die Geschäftsmodelle von Facebook oder Apple. Wenn die Piraten so sehr gegen das Urheberrecht sind ,warum wird nicht an erster Stelle Facebook oder Apple oder ähnliche Giganten angegriffen? Oder verstehen die Piraten die Geschäftsmodelle von diesem großen Firmen nicht? Soll es demnächst gerechtfertigt sein, dass man einem Erfinder, einem Urheber, sein Werk einfach stehlen darf, und dann selbst damit Geld verdienen darf? Darf man sich womöglich selber als Autor von gestohlenen Werken ausgeben? Nun, der Urheber der Erfinder, der kreative verbringt seine Zeit damit zu kreieren und Dinge zu schaffen. Soll nun eine Zeit anbrechen, bei dem wie die Hyänen andere, die keine Zeit dafür verwenden etwas zu erfinden, nur darauf warten bis das Werk fertig ist, es dem Schöpfer zu entreißen, um selber damit Geld zu verdienen?

Gegen_Enteignung

06.04.2012, 15:03 Uhr

Oder nein, die Piraten wollen ja kein Geld verdienen. Niemand soll Geld verdienen. Alles ist kostenlos. Es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Software ist kostenlos.Die Filme sind kostenlos. Die Fahrt mit dem Bus ist kostenlos. Das Essen ist kostenlos. Die Miete ist kostenlos. Angeblich wurde ja vom CERN das Web kostenlos entwickelt um es kostenlos der Netzgemeinde zur Verfügung zu stellen. Geht man denn davon aus das die Wissenschaftler am CERN kostenlos arbeiten? Das Gebäude und die Geräte kostenlos von Firmen dem CERN zur Verfügung gestellt wurden?
Der Pirat arbeitet kostenlos? Oder vielleicht doch nicht? Nein die Piraten haben nicht den geringsten wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Sachverstand. Sie kokettieren sogar, dass sie sich mit bestimmten brennenden gesellschaftlichen Themen gar nicht auseinandersetzen wollen. Was für eine dumme Arroganz.

Teiler

06.04.2012, 16:28 Uhr

@Gegen_Enteignung: Vielleicht solltest du dich mal direkt mit den Forderungen der Piraten auseinandersetzen, anstatt diese polemische Kampagne als alleinige Grundlage deiner Meinungsbildung zu benutzen. Die Piraten haben auf dem letzten Parteitag einen recht konservativen Antrag zur Urheberrechtsreform verabschiedet. Guck einfach mal auf deren Webseite unter Programm/Urheberrecht. Es geht im Kern darum, einen Ausgleich zwischen Kreativen und Nutzern zu schaffen und dabei zwischen Urhebern und Verwertern zu unterscheiden. Aber sieh selbst.

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