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06.04.2012

11:08 Uhr

Mein Kopf gehört mir

Statements von Verbänden

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Verbandsvertretern.

DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Wirtschaftliche Ahnungslosigkeit

Könnten deutsche Unternehmen ohne wirksamen Patent- und Urheberschutz ihre Spitzenpositionen im weltweiten Wettbewerb halten? Wohl kaum. Die von den Firmen für Forschung und Entwicklung investierten Millionensummen ließen sich nicht mehr am Markt einspielen. Die Piraten-Partei offenbart mit ihren Forderungen ein erschreckendes Maß an wirtschaftlicher Ahnungslosigkeit. Sie ignoriert, dass gerade die F&E-Abteilungen mit hochwertigen Arbeitsplätzen in Deutschland verblieben sind, während längst global produziert wird. Technischer Fortschritt ist weit mehr als Schwarmintelligenz.

STEFAN HEIDBREDER, Geschäftsführer Stiftung Familienunternehmen

Mein Kopf gehört mir: Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mein Kopf gehört mir

Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.

Essenz der Demokratie

„Wenn Urheber und Werkmittler, wie zum Beispiel Verlage, ihrer Leistungen beraubt werden, kann keine vielfältige Medienlandschaft existieren. Der Schutz des geistigen Eigentums ist eine zivilisatorische Errungenschaft – wie die Demokratie.“

HELMUT HEINEN, Zeitungsverleger und Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident. dpa

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident.

Chaoten im Piratenkostüm

Der Erfolg der “Piraten” sagt viel über den Zustand unserer Gesellschaft. Chefredakteure feiern sie als Bereicherung unserer Politik, Talk-Show Moderatoren sind völlig aus dem Häuschen, und unsere Politiker biedern sich bei diesen „interessanten“ Gesprächspartnern schon mal als potenzielle Koalitionspartner an. Schon ein, zwei Blicke auf deren noch unvollständiges Programm zeigen, dass wir es hier weniger mit Piraten als mit Chaoten im Piratenkostüm zu tun haben. Dabei ist deren Forderung nach „Rente ab Geburt“ noch relativ harmlos. Diesen Unsinn propagiert sogar der Eigentümer einer Drogeriekette. Die von den Piraten geforderte „freie Nutzung“ kreativer und gedanklicher Leistungen entlarvt sie als die Partei für Diebe geistigen Eigentums. Nach ihren Plänen müssten Komponisten, Musiker, Schriftsteller, Designer, Softwareingenieure, Programmierer und Konstrukteure kostenlos arbeiten. Sie übersehen: wenn man alles plagiieren kann, wird es bald auch keine Originale mehr geben. Eigentlich die ideale politische Heimat für Karl-Theodor zu Guttenberg.

HANS-OLAF HENKEL, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

Wir setzen viel aufs Spiel

Permanenz, Öffentlichkeit und Auswahl unter vielen - das sind die Standards, die das Buch- und Verlagswesen zum unverzichtbaren Element neuzeitlicher Kultur haben werden lassen. Grundlage dieser Kultur ist das aktuelle Urheberrecht. Wenn wir es infrage stellen, setzen wir viel aufs Spiel. Geistiges Eigentum sichert erst die kulturelle Vielfalt. Deshalb kann eine aufgeklärte Kulturnation auf das Urheberrecht nicht verzichten.

GOTTFRIED HONNEFELDER, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Bedrohung für die Kreativität
Die Ablehnung von geistigem Eigentum bedroht Leistungsanreize, Kreativität und Innovation. Hier zeigt sich für mich eine Lücke im Freiheitsverständnis der Piratenpartei. Wir werden hier die Auseinandersetzung in der Sache suchen. Ich weiß noch zu wenig von den Piraten, und umgekehrt wissen die Piraten wohl auch zu wenig von der Wirtschaft, wie sie selbst einräumen.

HANS-PETER KEITEL, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

Kommentare (3)

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-gh

06.04.2012, 22:14 Uhr

Die Debatte zwischen "free and open source" ist eine Debatte rund um die Gesellschaft, in der wir langfristig leben wollen - und nicht vorwiegend eine Debatte um Urheberrechte. Es geht um die Frage von freiem Saatgut, die Patentierbarkeit von Lebewesen - und letztlich auch Menschen, den freien Zugang zu Medikamenten (wer erinnert sich nicht an Südafrika und Indien, denen die Pharmakonzerne die Produktion von Generika untersagten und damit Menscheleben bedrohten) und ähnliche Themen - nicht darum, ob der nächste Kommerzhit nicht nur 10 Mal auf unterschiedlichen Ebenen verwertet wird, sondern auch von ein paar Kids heruntergeladen wird.

Im Namen des "Schutzes der Autoren" werden so schon seit Jahren Gesetze erlassen und Entscheidungen getroffen, die die rechtsstaatliche Balance massiv gefährden.

Schutzrechte sollen Autoren (ich sage bewußt nicht Rechteverwertern) ermöglichen, von ihrer Arbeit zumindest teilweise zu leben. Hier muß der Schutz gewährleistet sein. Das Urheberrecht gewährt in diesem Sinn sowieso schon weitaus mehr Rechte - bis zu 70 bzw. 90 Jahre NACH dem Tod des Autors.

Wenn wir die Urheberrechte konsequent umsetzen, dürften wir auch nicht Kafka in der Schule lesen. Er selber wollte, daß sie verbrannt werden - und so hätten sie nie in die Public Domain kommen können - ein Schicksal, daß insbesondere kopiergeschützte Werke in Zukunft erleiden werden. Damit nützen "harte Regelungen" aufbauend auf einem Eigentums- und Rechtsverständnis, daß nicht an die digitale Realität angepasst ist, niemanden, weil sie ins Leere greifen.

So kann ich auch nur darauf hinweisen, dass jeder kleine "Sieg" zu strengeren Kontrollen und Regelungen so große Kollateralschäden mit sich bringt. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmer werden so für Gesetze streiten, die multinationale Konzerne gegen sie so ausnutzen werden - und die ihre Existenz weit mehr bedrohen als eine Einigung und ein Dialog mit den Downloadern.

-gh

robert

08.04.2012, 10:16 Uhr

Geistiges Eigentum und Piraten:
Erst mal lesen, was die Piraten (Bundepartei) dazu sagen:
(http://wiki.piratenpartei.de/Geistiges_Eigentum)
Geistiges Eigentum
Aus Piratenwiki
„Geistiges Eigentum“ (engl.: Intellectual Property) ist ein unscharfer Sammelbegriff diverser Schutzrechte, deren Gemeinsamkeit der Schutz immaterieller Dinge ist. Die Formulierung wird besonders gerne von den Lobbyisten der Verwertungsindustrie verwendet, sehr gerne auch mit dem Verweis auf das „natürliche“ Eigentumsrecht der Urheber (an dem sie sich selbst so gerne laben).

Der Begriff sollte von Piraten nicht verwendet werden, denn er suggeriert eine Äquivalenz zu „normalem“ Eigentum, jedoch ähneln Schutzrechte an Ideen eher Monopol- und Kontrollrechten.

Der rechtlich korrekte Begriff ist Immaterialgüterrechte. Auch dieser umfasst allerdings mehrere völlig unterschiedliche Konzepte und könnte zu der Auffassung führen, dass diese alle gleich zu behandeln sind. Eine aus Piratensicht geeignetere Bezeichnung ist geistige Monopolrechte oder ironisch: imaginäres Eigentum.

mfg
Robert Pirat aus Hamburg

Account gelöscht!

09.04.2012, 15:17 Uhr

http://www.ted.com/talks/larry_lessig_says_the_law_is_strangling_creativity.html

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