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20.12.2014

09:48 Uhr

Meinung

Das Erfolgsrezept der Skandal-Rapper

VonStefan Kreitewolf

Songs von Verbrechen und Gewalt: Im Hip-Hop gehört das nicht nur zum guten Ton. Einige Rapper leben ihre Musik aus und landen deshalb immer wieder vor Gericht. Über den Erfolg einer ganz speziellen Musikrichtung.

Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als Rap-Musiker Bushido, sitzt am 20. Februar 2014 beim Prozess gegen ihn im Gerichtssaal in Berlin. Die Anklage warf ihm vor, im Mai 2013 einen Fan mit einem Schuh geschlagen zu haben. Bushido wurde vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei gesprochen. dpa

Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als Rap-Musiker Bushido, sitzt am 20. Februar 2014 beim Prozess gegen ihn im Gerichtssaal in Berlin. Die Anklage warf ihm vor, im Mai 2013 einen Fan mit einem Schuh geschlagen zu haben. Bushido wurde vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei gesprochen.

KölnKörperverletzung, Beleidigung und Hass-Rap: „Bushido“ ist bekannt für seine Ausfälle. Und unter den bekannten deutschen Rappern ist er der umstrittenste. Seine Ehefrau erhielt zuletzt Polizeischutz, weil der Musiker sie geschlagen haben soll, wie die „Bild“ berichtet.

Ein prominenter Extremfall, aber kein Einzelfall in der Rapper-Szene, die ihr ganz besonderes Image pflegt - im Auftreten wie in den Texten. Die Hosen hängen tief, die Mützen sitzen schräg und der Kopf nickt zum Beat: „Ich brech` dir dein Genick, Nigga“ (wie Busta Rhymes in seinem Song „Break Ya Neck“ rappt) „Lass’ es schmerzen“ (Busta Rhymes in „Make it hurt“) oder „Kugel in deinem Kopf“ (Rage Against The Machine in „Bullet in your head“).

Diese aus dem Englischen übersetzten Songtitel sind die Hymnen einer Subkultur. Ob „Snoop Dogg“, „50 Cent“ oder der „Wu-Tang-Clan“: Wer im Hip-Hop wirklich etwas auf sich hält, der pflegt in seinen Liedern das Badboy-Image und kokettiert mit Verbrechen und Gewalt.

Hierzulande zeigen Rapper wie „Bushido“, „Sido“ und „Xatar“, dass sie nicht vor ihren Kollegen auf der anderen Seite des Atlantik zurückstecken wollen. Denn immer mehr Rapper landen in Deutschland vor Gericht. Erlebt der Gangsterrap, der in den 1990er-Jahren in den USA eine Welle der Gewalt auslöste, in Deutschland eine Renaissance?

Zehn erfolgreiche Rapper (Deutschland)

Die Fantastischen Vier

Die Fantastischen Vier um Smudo, Thomas D., Michi Beck und And.Ypsilon sind die deutschen Opis des Hip-Hops. Ihr Hit „Die da!“ aus dem Jahr 1992 ist absoluter Kult.

Freundeskreis

Die aus Stuttgart stammende Band publizierte politische Texte, in denen sie sich für Gleichberechtigung und internationale Verständigung aussprach.

Samy Deluxe

Der Hamburger Jung Samy Deluxe gehört seit über 15 Jahren fest zur deutschen Rap-Szene und lieferte wichtige Impulse für den deutschen Hip-Hop.

Beginner

Die „Beginner“ (bis 2003 bekannt als Absolute Beginner) ist eine Hip-Hop-Musikgruppe aus Hamburg, bestehend aus Jan Delay, Denyo und DJ Mad.

Cro

Cro bezeichnet seine Musik als eine Mischung aus Rap- und Pop-Musik. Sein Markenzeichen ist eine Panda-Maske, mit der er sein Gesicht verbirgt.

Casper

Casper besitzt eine auffällig raue Rap-Stimme, die seiner Bekanntheit maßgeblich zugute kam. Thematisch finden sich in seiner Musik häufig autobiographische Elemente wieder.

Sido

Sido hat es aus dem Märkischen Viertel in Berlin auf die große Bühne geschafft und sich über Jahre etabliert. Neben der Musik sitzt er gerne als Juror in TV-Casting-Shows.

Bushido

Einer der umstrittensten Rapper Deutschlands ist Bushido. Er fiel immer wieder durch Straftaten auf. Außerdem wurden ihm Kontakte zur Mafia nachgesagt. Seinem Erfolg schadete das offensichtlich nicht.

Kool Savas

Kool Savas bezeichnete sich einst selbst als „King of Rap“. Seine Fähigkeiten am Mikro machten ihn zur deutschen Rap-Ikone.

Haftbefehl

Haftbefehl mischt in seine Texte Wörter aus dem Türkischen, Arabischen und Kurdischen. Sein Reimstil orientiert sich maßgeblich am amerikanischen Gangstar-Rapper Notorious B.I.G.

Die Antwort ist nicht so einfach. Denn wer im Hip-Hop was auf sich hält, sucht die Konfrontation. Und wer mit Verbrechen und Gewalt auffällt, der gewinnt „Street Credibility“, was so viel heißt wie: „Respekt auf der Straße“. Von illegalem Graffiti über Raub, Drogenmissbrauch bis zu illegalem Waffenbesitz gehört in der Szene nicht selten eine lange Liste an Straftaten zum guten Ton. Das hat sich seit 25 Jahren nicht geändert.

Dass Gewalt aber auch strategisch eingesetzt werden kann, beweist der bekannte Berliner Rapper „Sido“: Er musste sich jüngst wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er war in eine Schlägerei verwickelt. Das Medieninteresse war groß. „Sido“ bleibt im Gespräch und sein Album „30-11-80“ verkauft sich prächtig.

Während andere Musiker durch die Radio- und TV-Stationen touren, um ihr Album zu promoten, greift „Sido“ zur Gewalt, und er ist sofort in aller Munde. Der Fall beweist: Das Spannungsverhältnis zwischen Verbrechen und Hip-Hop ist manchmal nur Verkaufsstrategie. Für „Sido“ zahlt sich das aus: Vorstrafen helfen seiner Karriere.

Kommentare (37)

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Account gelöscht!

16.12.2014, 20:45 Uhr

Solche Typen sind im toleranten Deutschland herzlich willkomen. Pegida verwundert die Betroffenen, Geschädigten und Opfer solcher Typen nicht mehr. Nur die Politiker sind darüber offenbar erstaunt. Allen voran die linke Fraktion. Offenbar haben diese noch keine Erfahrungen mit dem Bushido & Co.auf der Straße selbst oder deren Kinder gemacht. Aber keine Angst, das kann ja noch.
Die Gewahrsamsbücer der Polizei (Festnahmebuch) sind voll von den Namen Bushido & Co. Komisch, die Namen Hannah Lena, Maiximilian, Sebastian kommen darin seltender vor. Wer es nicht glaubt, schaut sich sich die Namen mal am besten vor Ort an, sofern er gelassen wird. Allerdings bezweifele ich das.
Auch ein Grund von Pegida.

Herr J.-Fr. Pella

17.12.2014, 09:18 Uhr

Was sind das wohl für Typen, die solche CD`s kaufen und auch noch für Veranstaltungen solcher Art Eintritt bezahlen.???
Hier sollte man überwachen.

Herr Marcus T.

17.12.2014, 09:31 Uhr

"Die einfache Gleichung Gewalt = Aufmerksamkeit = Geld, hat Rap-Musik etwa ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung zum Kulturexportschlager gemacht."
Ne schöne "Kultur" ist das...

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