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21.02.2006

08:30 Uhr

Mensch ist Täter und Opfer

Wie das Klima uns verändert

VonFerdinand Knauss

Die "Kleine Eiszeit" hat die Menschen der frühen Neuzeit geprägt - welche Folgen die Erderwärmung für unser Leben und Verhalten hat, wird noch viel zu wenig erforscht.

Szene aus dem Film 'The Day After Tomorrow'

Szene aus dem Film 'The Day After Tomorrow'

Welche klimatischen Veränderungen in den kommenden Jahrzehnten vor uns liegen, ist mittlerweile nicht mehr nur Thema von Naturwissenschaftlern und Heerscharen besorgter Umweltaktivisten. Schriftsteller wie Frank Schätzing in seinem Roman "Der Schwarm" und Filmregisseure wie Roland Emmerich mit "The day after Tomorrow" erschrecken und ergötzen das Publikum mit phantastischen Szenarien, die die Welt an den Abgrund führen.

Das öffentliche Bewusstsein dafür, dass der Mensch das Klima verändert und dass dies schlecht sei, ist nicht zuletzt durch diese unterhaltenden Massenmedien also vorhanden. Aber diese Geschichten sind wenig erkenntnisreich, da sie nicht nach dem Wesen des Klimas jenseits naturwissenschaftlicher Betrachtung fragen. Um die weltgeschichtliche Dimension dessen zu erfassen, was in jüngster Zeit gemeinhin mit Klimawandel bezeichnet wird, muss das Klima wieder zum Gegenstand geisteswissenschaftlicher Betrachtung werden.

Denn das Entscheidende am Klimawandel, den wir jetzt erleben, ist die Tatsache, dass der Mensch ein Teil davon ist als Täter und als Opfer. Das Reden und Schreiben übers Klima sollte daher nicht nur den Fachwissenschaftlern überlassen werden. Es geht um eine Grundfrage der menschlichen Existenz, an die man nicht nur mit quantifizierenden, naturwissenschaftlichen Methoden herangehen kann.

Wenn das Klima das menschliche Sein (mit)bestimmt, ja sogar ein Teil davon ist, dann kann der grundlegende Wandel des Klimas dieses Sein nicht unberührt lassen. Klimawandel bedeutet Kulturwandel, in der Vergangenheit ebenso wie in der Zukunft. Das ist trotz jahrelangen Medienrummels um Treibhauseffekt und Ozonlöcher bisher nicht ins Bewusstsein der Wissenschaftler und Intellektuellen, geschweige denn einer größeren Öffentlichkeit vorgedrungen. Wir als Menschen, als klimatische Wesen, werden uns mit dem Klima ändern, weil wir von ihm gar nicht zu trennen sind.

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