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03.09.2014

01:09 Uhr

Nach Promi-Hack

Apple kämpft gegen ein Vertrauensproblem

VonChristof Kerkmann

Kurz vor der Vorstellung neuer Produkte kommt Apple eine öffentlichkeitswirksame Panne in die Quere. Nun will das Unternehmen den Image-Schaden eindämmen. Ob es gelingt?

Apple bricht sein Schweigen: Das Unternehmen äußert sich zu dem Verdacht, über seinen Speicherdienst iCloud habe ein Hacker Zugang zu Nacktfotos von Prominenten bekommen. dpa

Apple bricht sein Schweigen: Das Unternehmen äußert sich zu dem Verdacht, über seinen Speicherdienst iCloud habe ein Hacker Zugang zu Nacktfotos von Prominenten bekommen.

Apple ist für seine Verschwiegenheit berüchtigt. Wenn der iKonzern sich bemüßigt fühlt, etwas offiziell zu kommentieren, weiß man: Es gibt ein ernsthaftes Problem.

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Der Autor

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Derzeit dürfte in der PR-Abteilung vermutlich Alarmstufe Rot herrschen. Hacker konnten offenbar intime Fotos von Prominenten stehlen, die das iPhone und den Online-Speicher iCloud nutzen. Im Netz spekulierten echte und selbsternannte Experten über Sicherheitslücken im System (wie es möglicherweise passiert ist, wird hier erklärt).

Nun meldet sich das Unternehmen mit einer Pressemitteilung zu Wort, die es über den Dienst Businesswire an die ganze Welt herausschickt: Nicht der Speicherdienst iCloud sei gehackt worden, sondern nur eine bestimmte Zahl von Nutzerkonten, versichert der Konzern. Es handle sich um eine „sehr gezielte Attacke“. Und selbstverständlich sei die Sicherheit der Nutzerdaten von höchster Bedeutung.

Apple will den Schaden eindämmen. Doch dafür ist es in mancher Hinsicht zu spät. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich zwar nicht bestätigt, doch die öffentlichkeitswirksame Panne zeigt, wie leicht Kriminelle den vermeintlich sicheren Online-Speicher von Apple-Nutzern plündern konnten, begünstigt durch Fehler des Konzerns.

Der Zeitpunkt ist für das wertvollste Unternehmen der Welt höchst ungünstig: In einer Woche will Apple ein neues iPhone samt überarbeitetem Betriebssystem vorstellen, in dem Cloud-Dienste eine noch größere Rolle spielen als bislang. Womöglich kündigt der Konzern auch noch einen Bezahldienst für das Smartphone an – hier sind Sicherheit und Vertrauen noch wichtiger.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Allerdings können Nutzer die Schuld nicht allein auf Apple abwälzen. Sie selbst müssen mehr tun, um ihre Nutzerkonten besser abzusichern – Apple empfiehlt die Zwei-Wege-Authentifizierung, also einen doppelten Schutz. Das ist zwar etwas umständlicher, verhindert aber späteren Ärger. Rihanna und die anderen Stars können ein Lied davon singen.

Kommentare (4)

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Herr Andreas Rabenstein

03.09.2014, 08:32 Uhr

Skandal! Hackerangriff? Sex sells würde ich sagen, Sicherheitslücken werden geschlossen, und weiter geht's. Kaum einen Internet- oder Smartphonenutzer dürften derartige News wundern, wir kennen das doch alle. Das iPhone 6 (Sechs) kommt sicher, ... au weia, was hab ich jetzt geschrieben?!

Herr Markus Gerle

03.09.2014, 10:15 Uhr

Normalerweise find ich es illigetim, den Opfern von kriminellen Machenschaften eine Mitschuld zu geben. Aber in diesem Fall sorry. Apple ist eine Firma, die offensichtlich mit der NSA kooperiert. Die Firma zwingt einen, proprietäre Software zu verwenden, um Smartphones mit dem Computer zu verbinden. Man kann dies nicht über unverdächtige Software, die nicht aus den USA stammt. Apple stellt Mobiltelefone her, deren Akkus man nicht einfach mal heraus nehmen kann. Sorry, so einer Firma vertraut man einfach nicht vertrauliche Daten oder gar intime Bilder in der Cloud an.

Herr Manfred Schreyer

03.09.2014, 10:20 Uhr

Wer so bescheuert ist, intime Fotos hochzuladen, der hat selbst schuld. Die Cloud kann man niemals zu 100% absichern, dass ist unmöglich. Ein Vorteil, jeder Hackerangriff hilft, Lücken zu schließen.
Alle laden bei Facebook und Co private Dinge hoch und wundern sich dann, wenn man alles über einen weiß. Das Apple ein "geschlossenes" System hat, mag manche stören, der Vorteil ist einfach, es passt alles reibungslos zusammen. Sensible Daten sollte man in jedem Fall zusätzlich verschlüsseln, das ist heute ein Kinderspiel.

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