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20.11.2012

09:18 Uhr

Nach Triple A Verlust

Moody's erhöht Reformdruck auf Hollande

VonThomas Hanke

Die Botschaft der Ratingagentur Moody's ist klar: Was Staatspräsident François Hollande und seine Regierung bislang vorgelegt haben, vor allem die Senkung der Arbeitskosten der Unternehmen, reicht nicht. Ein Kommentar.

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ParisFrankreichs Regierung hatte gehofft, dieser Kelch würde an ihr vorübergehen. Doch nun hat auch die Ratingagentur Moody's den Staatsanleihen des Landes die Bestnote Triple A genommen, wie Standard & Poor's bereits im Januar des Jahres, und den Ausblick auf negativ gesetzt. Nur noch Fitch gewährt Frankreich die Bestnote. Die Regierung fürchtete diesen Schritt: nicht so sehr, weil unmittelbar ein großer Zinsanstieg droht. Den hat es zumindest nach der S&P-Entscheidung im Januar nicht gegeben, im Gegenteil – die Zinsen sind noch gesunken.

Die Furcht erklärt sich daraus, dass die Entscheidung von Moody's auch wie eine Abwertung der Wirtschaftspolitik des Landes wirkt. Zwar weist die Agentur ausdrücklich darauf hin, dass Frankreichs schwaches Wachstum sich aus dem seit Jahren entstandenen Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit erklärt. Doch sagt sie eben auch: Was Staatspräsident François Hollande und seine Regierung bislang vorgelegt haben, vor allem die Senkung der Arbeitskosten der Unternehmen um zwanzig Milliarden Euro, noch nicht ausreicht.

Nach Herabstufung: Investoren erhöhen den Druck auf Frankreich

Nach Herabstufung

Investoren erhöhen den Druck auf Frankreich

Moody's hat die Bonität des Landes um eine Note von „Aaa“ auf „Aa1“ herabgestuft.

Wie viele Ökonomen weist Moody's darauf hin, dass Frankreich dringend Strukturreformen braucht, vor allem müssten die Produktmärkte liberalisiert und der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden, um mehr Wachstum zu ermöglichen. Der Druck auf die Regierung, in diese Richtung tätig zu werden, und zwar schnell, hat sich jetzt noch einmal erhöht. Unternehmer und Gewerkschaften verhandeln bereits über eine Öffnung des Arbeitsmarktes. Die Regierung hatte versprochen, sie werde selber handeln, falls bis zum Ende des Jahres keine Einigung zustande komme. Sie wird nun liefern müssen.

Schwierig wird es auch für Frankreichs Finanzpolitik. Finanzminister Pierre Moscovici hat zwar Dienstag Morgen daran erinnert, dass sein Land immer noch das zweitbeste Rating genieße. Doch ist klar, dass die Anleger nun genau darauf achten werden, ob – wie zugesagt – das staatliche Defizit im kommenden Jahr auf drei Prozent gesenkt wird.

Angesichts des schwachen Wachstums wird das äußerst schwierig. Im Stillen hatte Hollande gehofft, die Sanierungsauflagen für alle Länder würden gestreckt, weil die Eurozone in die Rezession gerutscht ist. Doch selbst wenn die Brüsseler EU-Kommission den Fahrplan für die Konsolidierung großzügiger fassen sollte wäre das nicht unbedingt eine Entlastung für Frankreich, das nun unter Beobachtung steht.

Thomas Hanke

Thomas Hanke ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankreich.

Richtig ist: Angesichts der historisch niedrigen Zinsen hat das Land ein gewisses Sicherheitspolster, selbst wenn der Zinsabstand zu Deutschland steigen sollte – was sich heute Morgen noch nicht abzeichnet und nicht unbedingt geschehen wird. Doch auf jeden Fall wird die Regierung ihr Reformbemühen nun intensivieren und beschleunigen müssen.

Kommentare (9)

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Ameise

20.11.2012, 10:38 Uhr

Woher soll die Wettbewerbsfähigkeit denn kommen bei einer 35 Std./Woche und einem Renteneintrittsalter von 60 Jahren ohne industriellen Mittelstand und einer Gewerkschaft, die schon 17 Jährige, die noch nie einen Handschlag getan haben, auf die Straße jagt, um zu demonstrieren. Ach so, Deutschland soll zahlen. Na dann...

Deutschlandbonds

20.11.2012, 11:26 Uhr

Kann es sein das Merkel mit ihrer Europapolitik etwas verkehrt macht ? Jetzt wird Frankreich und seine Bürger auch noch zu den schlechten Menschen in Europa gezählt .
Aber nur bei den Merkel-Deutschen .
Merkel ist ein Garant für Probleme in der Welt .
und noch nieh haben Spekulanten und Banken so gut daran verdient .
Auch wenn wir alle bis 77 Arbeiten und dies in einer 50 Std/Woche, wir werden kein Probleme lösen können . Laßt Euch nicht immer soviel Hass einreden .

MIRO

20.11.2012, 11:29 Uhr

Schuld haben natürlich immer die anderen, die Vorgängerregierung! Darauf muss man ja erst einmal kommen.
Natürlich haben alle Vorgängerregierungen in Frankreich ihren Beitrag zur negativen gesellschaftlichen Entwicklung geleistet. Frankreich hat schlicht die letzten 25 Jahre verschlafen,keinerlei Inovationen in Wirtschaft und Gesellschaft. Darüber hinaus, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit durch zu hohe Sozalkosten. Frankreich
lebte schon immer nach dieser Devise.Früher zu FF Zeiten
war es deshalb einfach, jährlich die Defizite im Haushalt
durch Drucken von frischen FF auszugleichen und die Wettbewerbsfähigkeit nach außen durch regelmäßige FF Abwertungen vorzunehmen. Diese Zeiten sind nunmal mit dem
Euro vorbei. Nur, das haben die Franzosen noch nicht begriffen.Das weiter so, wäre natürlich mit Eurobonds mit deutschen Bürgschaften kein Problem gewesen. Das waren ja die Intentionen unseres linken Plagiators der Grande Nation.Jetzt noch die Abstufung durch Moodys, ein weiterer Sargnagel für Frankreichs Schuldenhaushalt.gez.walterwerner.fineartprint.de

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