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19.02.2012

14:10 Uhr

Naher Osten

Die Krise kann jederzeit eskalieren

VonPierre Heumann

Die Lage in Israel ist bedrohlich. Spannungen im Nahen Osten könnten schnell außer Kontrolle geraten. Die Diskussionen über einen Militärschlag Israels nehmen zu. Aber solange debattiert wird, fallen noch keine Bomben.

Sollte Israel Iran bombardieren, schalte sich die libanesische Hisbollah wohl nicht ein, sagte der Chef Hassan Nasrallah. Aber die Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Länder im Nahen Osten sind groß. dapd

Sollte Israel Iran bombardieren, schalte sich die libanesische Hisbollah wohl nicht ein, sagte der Chef Hassan Nasrallah. Aber die Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Länder im Nahen Osten sind groß.

DüsseldorfSeit 1948, dem Gründungsjahr des jüdischen Staates, war die Lage Israels selten bedrohlicher als jetzt. Die arabischen Revolutionen haben die strategische Position Israels grundlegend verändert. Ägypten hat den Friedensvertrag mit Israel zwar nicht gekündigt. Aber die Islamisten, die jetzt im ägyptischen Parlament in der Mehrheit sind, verfolgen eine antiisraelische Linie.

Kairo lässt Terroristen auf der Sinai-Halbinsel, dem israelisch-ägyptischen Grenzgebiet, gewähren. Noch bedenklicher sind die Folgen der Revolte gegen den syrischen Präsidenten Assad. Aus Angst vor israelischen Gegenschlägen haben Hafiz el Assad und sein Sohn Baschar während Jahrzehnten für Ruhe an der Grenze zu Israel gesorgt. Jetzt könnte Baschar versuchen, sein gespaltenes Land hinter sich zu vereinen, indem er einen Angriff auf Israel startet. Dass er dabei auf tatkräftige Unterstützung aus Teheran zählen könnte, ist mehr als wahrscheinlich.

Pierre Heumann

Pierre Heumann ist Israel-Korrespondent des Handelsblatts.

Ein von Syrien ausgehender regionaler Flächenbrand lässt sich nur vermeiden, wenn es zu einer geordneten Ablösung des Regimes Assad kommt und die Nachfolger die Zusammenarbeit mit Teheran abbrechen. Das Ende der Allianz wäre die Quittung für die Unterstützung, die Assad derzeit von der Islamischen Republik und der Hisbollah erfährt. Sollte Iran als Schutzherr Syriens ausscheiden, könnte Ankara den Part übernehmen und für Stabilität sorgen. Die Türkei wird sich nicht zweimal bitten lassen, in der Post-Assad-Ära ihren regionalen Einfluss weiter zu steigern.

Sollte das Assad-Regime aber unkontrolliert auseinanderbrechen, droht Syrien zu einem zweiten Somalia zu verkommen. Soeben hat auch die El Kaida offen zum Kampf gegen Assad aufgerufen. Bereits deshalb spricht man in Washington, Ankara und in Jerusalem davon, mit einem militärischen Eingreifen den gefährlichen Wirren in Syrien ein Ende zu setzen. Die syrische Armee verfügt über chemische Waffen und Mittelstreckenraketen. Fallen diese in die Hände von Terroristen, wäre nicht nur Israel mit einer neuen, bedrohlichen Gewaltquelle konfrontiert, sondern ebenso der Westen.

Zu Israels Ungunsten verläuft auch die politische Entwicklung bei den Palästinensern. In der palästinensischen Regierung auf der Westbank, die vom moderaten, pro-westlichen Salam Fayyad geleitet wird, könnte demnächst die radikal-islamische Hamas einziehen. Dann wäre nur wenige Kilometer von Tel Aviv und Jerusalem entfernt eine Bewegung an der Macht, welche in ihrer Charta dazu aufruft, mit Gewalt gegen Israel zu kämpfen. Das sind nicht leere Drohungen. Der Gaza-Streifen, wo die Hamas bereits seit fünf Jahren regiert, ist mit Duldung der Radikal-Islamisten eine Militärbasis für Terroristen geworden.

Kommentare (8)

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diatoo

19.02.2012, 17:33 Uhr

"Jetzt könnte Baschar versuchen, sein gespaltenes Land hinter sich zu vereinen, indem er einen Angriff auf Israel startet. Dass er dabei auf tatkräftige Unterstützung aus Teheran zählen könnte, ist mehr als wahrscheinlich."
Beides ist sehr unwahrscheinlich: Assad wäre bescheuert, wenn er sein Militär von Isreal vernichten ließe. Und tatkräftige Unterstützung wäre offen auch nicht zu erwarten, denn der Iran will sich ebenfalls von Israel nicht sein militärisches Potential zerschlagen lassen. Verdeckt würde der Iran Assad sicherlich unterstützen, aber das kann Israel ihm angesichts eigener verdeckter Aktionen im Iran kaum vorwerfen.

Account gelöscht!

19.02.2012, 18:55 Uhr

Von einem Nahost-Korrespondenten erwarte ich etwas weniger Unfug. diatoo hat dazu das Nötige gesagt. Ich erwarte aber auch, dass nicht ständig das Märchen nachgebetet wird, Iran wolle Israel von der Landkarte tilgen. Ahmadinedschad hat stets vom "zionistischen Regime" gesprochen, das verschwinden muss, und damit politisch argumentiert. Ein wohl nicht ganz unwichtiger Unterschied. Allerdings ist die Auslöschversion natürlich besser geeignet, militärisches Eingreifen des Westens zu legitimieren

LIS

19.02.2012, 19:09 Uhr

Sie vergessen, dass bei iranischen Massenorganisationen Slogan wie "Tod Israel" zur Regel gehören.
Aber nicht nur im Iran wird gegen Juden gehetzt. Schauen Sie sich nur den Beitrag aus dem Ägyptischen Fernsehen an, wo Kinder erklären warum Juden die Feinde Gottes sind:
http://www.youtube.com/watch?v=ZL0C2QvqIlo

Nenne Sie mir außerdem einen Grund, warum die Juden mit ihrer traurigen Geschichte sich diesmal wieder auf das Gute im Menschen verlassen sollen? Dafür haben sie in der Geschichte einen zu großen Preis bezahlt.

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