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29.10.2014

13:35 Uhr

Nasa-Raketenunfall

Kein Platz für Raumfahrt-Nostalgie

VonThomas Trösch

Der Raketenunfall von Wallops Island ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die der Nasa ihre verstärkte Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen vorhalten. Doch die Nasa-Strategie hat sich durchaus bewährt.

Thomas Trösch ist Technologie-Redakteur von Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Thomas Trösch ist Technologie-Redakteur von Handelsblatt Online.

Das Hilfsangebot aus Russland kam schnell – und es dürfte den Verantwortlichen der US-Weltraumbehörde in den Ohren geklungen haben. Sollte die Nasa darum bitten, könne Russland den durch die Explosion einer US-Rakete ausgefallenen Versorgungsflug zur Raumstation ISS sofort übernehmen, so Alexej Krasnow, Chef des bemannten Raumflugprogramms bei der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos.

Dabei hatte sich die Nasa durch ihr Konzept der Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Orbital Sciences, dem Hersteller der explodierten Rakete und des bei der Explosion zerstörten Raumtransporters „Cygnus“, doch eigentlich aus der Abhängigkeit von russischen Raumschiffen befreien wollen, in die sie nach dem Ende der Spaceshuttle-Ära geraten war.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Dass Russland fast zum selben Zeitpunkt, als das US-Raumschiff in einem Feuerball verglühte, erfolgreich einen unbemannten Transporter auf den Weg zur ISS brachte, lässt den 200-Millionen-Dollar-Fehlschlag von Wallops Island nur in umso grellerem Licht aufscheinen. Trotzdem sollten Kritiker nun nicht sofort den Stab über die der Nasa von US-Präsident Barack Obama verordnete Strategie einer verstärkten Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen brechen. Trotz des Rückschlags vergangene Nacht war das Konzept bislang nämlich durchaus erfolgreich.

So hat das kalifornische Unternehmen SpaceX des Tesla-Gründers Elon Musk alle bisher im Rahmen eines 1,6-Milliarden-Dollar-Vertrages mit der Nasa zugesicherten Versorgungsflüge zur ISS problemlos verwirklicht: Vier Mal startete der SpaceX-Transporter „Dragon“ bereits zur Raumstation, vier weitere Flüge sind für Ende des Jahres beziehungsweise 2015 geplant. Und auch der „Cygnus“-Hersteller Orbital Sciences hatte vor dem Unglück vergangene Nacht bereits zwei Versorgungsflüge zur ISS ohne Zwischenfall realisiert.

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