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19.01.2005

07:12 Uhr

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RTL im Gegenwind

VonHans-Peter Siebenhaar

In den Pionierzeiten des Fernsehens war die Welt der Lobbyisten noch in Ordnung: Es gab zwei private Rundfunkverbände, den von Kirch und den von Bertelsmann.

Quelle: Handelsblatt

Doch seitdem vor 15 Jahren die Kontrahenten gemeinsam den Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) aus der Taufe gehoben haben, zählt der Konsens. Der wird aber zur Zeit einer argen Zerreißprobe ausgesetzt, geht es doch um die Besetzung des VPRT-Chefsessels, die im Mai ansteht.

Eigentlich müsste hier RTL zum Zuge kommen. So steht denn auch Ingrid Haas, RTL- Informationsdirektorin und Vertraute von RTL-Chef Gerhard Zeiler, als geeignete Kandidatin bereit. Es gibt nur ein Problem: Der bisherige Vorsitzende Jürgen Doetz will seinen Platz in der Hauptstadt nicht gerne räumen. Zu einem Rückzug hat das ehemalige Vorstandsmitglied des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 - ermuntert von den kleinen Mitgliedern - derzeit wenig Lust. Doetz ist der Verband ans Herz gewachsen und weiten Teilen des Verbandes auch Doetz.

Vor allem von den vielen Radiosendern und den kleinen Fernsehunternehmen kommt Unterstützung für den politisch bestens verdrahteten Pfälzer. Sie fürchten eine Dominanz der Bertelsmann - Tochter.

"Die Machtergreifung von RTL wird nicht kampflos hingenommen werden", sagte gestern ein VPRT-Vorstandsmitglied. "Eine richtige, offene Wahl wäre besser." Viele Mitglieder wollen keine Vorentscheidung hinter verschlossenen Türen und es sieht so aus, als könnten sie sich mit ihrem Wunsch nach einer offenen Wahl durchsetzen.

Damit steigen auch die Chancen von Jürgen Doetz, seine Rolle als Rundfunk-Cheflobbyist weiter zu spielen. Denn unter den 160 VPRT-Mitgliedern spielen die RTL-Töchter rein rechnerisch nur eine Nebenrolle. Eine bittere Erkenntnis für den so selbstbewussten Rundfunkriesen.

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