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24.01.2005

07:00 Uhr

Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur

Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur

Deutschlands Unternehmen werden dank neuer Bilanzregeln in diesem Jahr um fünf Milliarden Euro höhere Gewinne ausweisen, ohne einen echten Cent mehr verdient zu haben. Ist dies Augenwischerei, weil plötzlich außen glänzt, was innen gleich bleibt? Kritik an der international fast einheitlichen Rechnungslegung ist berechtigt. Doch eines muss man ihr zugute halten: Endlich lassen sich die Gewinne in Europa mit denen in den USA und in Asien vergleichen.

Zugegeben, die Standards bieten viel Spielraum für kreative Buchführung. Beim Test der Werthaltigkeit werden Posten nach dem aktuellen Wert geschätzt. Optimisten veranschlagen ihn höher als Pessimisten.

Doch die Vorteile überwiegen: Gleiche Standards schaffen Transparenz. Vorbei die Zeiten, in denen US-Firmen ihre europäischen Wettbewerber übertrumpften, nur weil sie anders bilanzierten. Vorbei aber auch die Zeiten, in denen sich Europäer ihre Zahlen schönreden konnten, indem sie auf ihre konservative Buchführung verwiesen und damit unwirtschaftliches Arbeiten kaschierten. Endlich können Anteilseigner die Leistung ihrer Firma an jener der ausländischen Konkurrenz konkret messen.

An eines werden sich aber vor allem deutsche Anleger gewöhnen müssen: Durch die aktuellere Bewertung der Bilanzposten werden die Gewinne künftig stärker schwanken. US-Investoren sind daran gewöhnt. Doch Deutschlands leidgeprüfte Anleger bestrafen Unvorhergesehenes vor allem seit dem großen Crash gern mit Aktienverkäufen oder gar mit dem Rückzug von der Börse. Darin spiegelt sich eine tief verankerte Abneigung gegen Überraschungen und Risiken wider. Diesen stehen Amerikaner traditionell aufgeschlossener gegenüber als Europäer – nicht nur an den Finanzmärkten.

Die neue Bilanzierung ist deshalb nicht nur ein starker Beitrag zur Globalisierung mit mehr Chancengleichheit und weniger Standortnachteilen. Sie ist auch eine Herausforderung an die Aktionäre, bei Einmalverlusten und vorübergehenden Schwächen der Unternehmen nicht voreilig in Panik zu verfallen.

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