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01.03.2012

11:17 Uhr

Öffentlicher Dienst

Weder recht noch billig

VonOliver Stock

Die Tarifforderung von Verdi für die Angestellten im öffentlichen Dienst ist überzogen, weil sie nicht die tatsächliche Leistung der Beschäftigten berücksichtigt.

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online Pablo Castagnola

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online

Deutschland steckt in den roten Zahlen. Selbst im Boomjahr 2011 ist es uns nicht gelungen, den Schuldenberg kleiner werden zu lassen. Im Gegenteil: 550 Milliarden Euro sind schon wieder dazu gekommen. Jedes Unternehmen, das so wirtschaftet, wäre vermutlich am Ende. Es sei denn, es würde ein Kostensenkungsprogramm auflegen, das den Mitarbeitern einiges abverlangt. Das aber passiert in der Deutschland AG nicht. Für das Unternehmen Deutschland beginnen heute die Tarifverhandlungen. Da geht es um 6,5 Prozent mehr für die Angestellten im Öffentlichen Dienst.

Diese Forderung ist weder recht noch billig. Sie würde Deutschland direkt auf den griechischen Weg schicken. Die Begründung von Verdi-Chef Frank Bsirske, der den Ehrensold für Bundespräsidenten genauso wie eine seiner Meinung nach unzureichende Besteuerung von Erbschaften heranzieht, ist nichts als Polemik. Deutschland ist alles andere als eine Steueroase und Deutschland leistet sich einen Ehrensold für seine Bundespräsidenten, der dieses Land nie und nimmer ruiniert.

Auch Bsirske könnte ja mal  differenzieren. Es gibt Aufgaben im öffentlichen Dienst von der Krankenschwester bis zum angestellten Lehrer, die sind schlicht unterbezahlt. Es gibt aber auch andere und jeder, der einmal freitags um 13 Uhr versucht hat, so einen anderen zu erreichen, wird wissen, warum 6,5 Prozent mehr Lohn da eine freche Forderung sind. Eine große Gewerkschaft wie Verdi, die von ihrer Geschlossenheit lebt, kann sich jedoch eine Aufteilung in Leistungsträger und solche, die nicht mehr verdienen, als sie verdienen, nicht leisten. Darin liegt ihre Schwäche. Und darin liegt der Grund, warum 6,5 Prozent zu viel sind.

Kommentare (19)

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Armin

01.03.2012, 13:57 Uhr

Danke für den Kommentar, denn ich bin zufällig so einer, der am Freitag um 13.00 Uhr nicht mehr zu erreichen ist. Allerdings habe ich bereits am Freitag um 12.00 meine 42 (!) Wochenstunden absolviert (ja, so viele Wochenstunden arbeiten Beamte in Bayern). Die Erreichbarkeit mit einer eventuellen Lohnerhöhung zu vergleichen finde ich als ungehörig.

Ungehorsamer

01.03.2012, 13:58 Uhr

jahrelang gibts doch im öffentlichen dienst nur minilohnerhöhungen. es liegt nicht alleine an den unterbezahlten mitarbeitern, sondern eher an kosteneffizienz in der verwaltung. jeder controller schaut zuerst auf die personalkosten, aber was ist mit den materialkosten und manschmal auch am veralteten equipment, dass eine effizientere arbeit erschwert? daran denkt niemand. was deutschland in erster linie braucht, ist eine föderalismusform in verschlankung der anzahl der bundesländer. thüringen, sachsen-anhalt und sachsen zusammenfassen. stadtstaate wie bremen und berlin abschaffen und in die bundesländer integrieren, saarland am besten an ein bundesland angliedern und schon hätten wir ein paar länderabgeordenete weniger und der finanzielle spielraum der länder würde besser funktionieren. dann noch alle subventionen des privatsektors abschaffen und schon hat deutschland keine probleme die ach so horrenden lohnforderungen im öd zu akzeptieren. mal ne frage: 6,5 % von 50.000 euro im jahr ist sicherlich viel, aber das ist halt nicht der durchschnittslohn im öd. eher so knapp die hälfte. da würde ein bankster nicht mal seinen finger krumm machen.

Account gelöscht!

01.03.2012, 14:14 Uhr

Ja, da macht es sich der Verfasser dieses Artikels einfach. Vielmals ist Freitags mittags in Behörden keiner zu erreichen, was daran liegt, dass es in vielen Kommunen dafür andere Tage gibt, an den man auch abends noch die Mitarbeiter erreicht. Aber es ist ja einfacher sich an einem Nachmittag aufzuhängen. Im öffentlichen Dienst ist es nicht so, dass jemand nach seiner Regelarbeitszeit nach Hause geht. Vielmehr sind öfter soviele Überstunden vorhanden, die 2x im Jahr auf 40 Std. gekappt werden, ohne irgendeinen Ausgleich. Desweiteren werden freigewordene Stellen nicht neu besetzt, so dass die Arbeitsbelastung immer weiter steigt. Dass man dafür jetzt mal mehr Geld in der Tasche haben möchte ist doch wohl nur zu verständlich. Eine ganze Berufsgruppe über einen Kamm zu scheren, hält der Autor hier aber für einfacher, aber seine Ausführungen entbehren doch jeglicher Realität.

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