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02.02.2007

05:12 Uhr

Öl

Trügerische Rekorde

VonDirk Heilmann

Bei so vielen Nullen wird einem leicht schwindelig. Doch die Rekordgewinne der großen Ölkonzerne täuschen. So gut wie 2006, als Ölpreisrekorde ihnen die Kassen füllten, wird es den Multis so bald nicht wieder gehen. Im Rückblick werden ihnen die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich als goldene Epoche erscheinen.

Denn es muss schon neue Preisausschläge geben, wenn Exxon und Shell neue Gewinnrekorde aufstellen wollen. Aus eigener Kraft werden sie es kaum schaffen. Die großen Energiekonzerne haben alle das Problem, dass es immer schwerer wird, neue Öl- und Gasquellen aufzuschließen. Der Löwenanteil der weltweiten Reserven befindet sich heute unter staatlicher Kontrolle. Russland drängt westliche Investoren aus dem Land, die Ölscheichs lassen sie kaum herein. China und Indien treten weltweit als Konkurrenten um Lizenzen auf, lateinamerikanische Populisten verstaatlichen ihre Vorkommen, in Nigeria lähmen Unruhen die Produktion, und im Iran drohen US-Sanktionen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die Zukunft der Ölmultis liegt darin, in immer unwirtlicheren Gegenden immer schwierigere Vorkommen zu erschließen. Noch dazu treibt der Run aufs Öl die Kosten in die Höhe. Und die Aktionäre werden keine sinkenden Renditen hinnehmen wollen. Vor diesem Hintergrund ist nicht damit zu rechnen, dass die Ölriesen ihre Produktion in den nächsten Jahren in dem Maße ausweiten, in dem die Weltwirtschaft wächst. Als Alternative kommen Übernahmen in Frage. Analysten rechnen vor, dass es in vielen Fällen billiger ist, einen kleineren Öl- und Gasförderer zu kaufen, als selber neue Vorkommen zu suchen. Weniger riskant ist es auf jeden Fall. Es ist also abzusehen, dass die Fusionsspekulationen in den kommenden Monaten hochkochen werden. Die Kassen sind ja voll.

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