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11.01.2008

05:41 Uhr

Natürlich kann man argumentieren, die Fahrtkosten zur Arbeitsstätte seien gemischte Aufwendungen, weil sie durch die Wahl des Wohnorts zumindest teilweise privat veranlasst sind. Sicher sind die Wohnkosten im Umland häufig geringer als in der Metropole, wo vielleicht die Arbeitsplätze sind. Und fast jeder kennt auch jemanden, der das Finanzamt an mehr Fahrtkosten beteiligt hat, als tatsächlich entstanden sind.

Doch sind das wirklich gute Gründe, um mit fundamentalen Grundsätzen des Steuerrechts zu brechen? Nein! Denn fest steht, dass der Bürger ohne die Fahrt ins Büro oder in die Fabrik eben kein Einkommen erzielen kann, die Fahrtkosten also in ganz unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Einkommenserzielung entstehen. Solche Kosten sind eben im deutschen Recht Werbungskosten, und die sind steuerlich abzugsfähig. Wer das nicht mehr will, müsste das ganze Steuerrecht komplett auf den Kopf stellen und sämtliche abzugsfähigen Kosten streichen. Denn – Hand aufs Herz – sind wirklich alle Arbeitsmittel beruflich veranlasst? Muss es denn jedes Jahr eine neue teure Aktentasche sein?

Und weiter: Ist der Damm erst einmal gebrochen, wird der Fiskus sicher rasch kreativ werden und auch die Unternehmen kaum verschonen. Erinnert sei an die jüngste Diskussion über besonders spritschluckende Dienstwagen oder hohe Managerabfindungen, die vor allem einige Sozialdemokraten steuerlich nicht mehr anerkennen wollen.

Nein, das Prinzip, steuerpflichtiges Einkommen sind die Erwerbseinkünfte abzüglich der zurechenbaren Kosten, hat sich insgesamt bewährt. Es stärkt die Bereitschaft, etwa sich fortzubilden oder einen neuen Job anzunehmen. Und das nutzt der Volkswirtschaft. Hoffentlich sieht das Verfassungsgericht das auch so.

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