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02.04.2012

15:57 Uhr

Pendlerpauschale

Umweltpolitische Geisterfahrer

VonFlorian Kolf

Die Wahlkämpfer reagieren reflexartig auf die steigenden Benzinpreise: Die Autofahrer sollen durch eine höhere Pendlerpauschale entlastet werden. Dafür spricht nichts - aber vieles dagegen.

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online Frank Beer für Handelsblatt

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online

Jetzt spielen sie sich wieder als Retter der gebeutelten Autofahrer auf. Politiker von CDU und FDP geißeln die Preispolitik der Mineralölkonzerne, planen politische Maßnahmen gegen steigende Spritpreise und fordern die Erhöhung der Pendlerpauschale. Sogar FDP-Chef Philipp Rösler gibt den mitfühlenden Liberalen: „Angesichts der Kosten müssen wir auch an diejenigen denken, die unter den hohen Benzinpreisen besonders leiden.“

Doch die Politiker kommen trotz allem an der Wirklichkeit nicht vorbei. Und die besagt, dass ein großer Teil des Benzinpreises aus Steuern besteht: Pro Liter Superbenzin sind es zurzeit 65 Cent Mineralölsteuer und rund 25 Cent Mehrwertsteuer. Einer der größten Preistreiber an der Tankstelle ist also der Staat – und das nicht irgendwie zufällig, sondern mit voller Absicht.

Es mutet ohnehin schon surreal an: Da zieht die Politik dem Autofahrer mit der Mineralölsteuer auf der einen Seite kräftig Geld aus der Tasche – nur um es ihm mit der Pendlerpauschale wieder in die andere Tasche zu stecken. Und als wäre das nicht schon steuersystematisch unsinnig genug, wird nun ernsthaft überlegt, die Pendlerpauschale wieder zu erhöhen, weil der Benzinpreis steigt.

Wenn es diesen Politikern wirklich ernst wäre mit der Entlastung der Bürger, müssten sie doch eigentlich die Mineralölsteuer senken. Dass darüber keiner nachdenkt, spricht Bände. Und es sendet ein fatales Signal an die Mineralölkonzerne: Erhöht ruhig die Preise, wir sorgen mit der Pendlerpauschale dafür, dass die Kunden auch in der Lage sind, den Sprit weiterhin zu bezahlen.

Kommentare (12)

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little_TIGER

02.04.2012, 16:19 Uhr

Die Treibstoffkosten werden steigen und weiter steigen und zwar ganz unabhängig von der "Profitgier" der Ol-Multies oder der Steuerlast auf Benzin und Diesel.
Der langfristige Trend wird bestimmt von den immer knapper werdenden Ölvorkommen.
Wird jetzt die Pendlerpauschaule erhöht bzw. die Steuerlast auf Treibstoff reduziert, wird nur die zwingend notwendige Reduzierung des Olverbrauchs verzögert. Ist somit kontraproduktiv!!!

Account gelöscht!

02.04.2012, 16:35 Uhr

HaaHaaa!! Genau, wenn die Pauschale erhöht wird fahre ich gleich zweimal am Tag an die Arbeit!!

HaaHaaa No. 2!! Wenn hier in Deutschland weniger verbraucht wird (weil zu teuer), werden die Chinesen und Inder etc. sofort nachziehen! Warum sollte dort denn bitte die Wirtschaft weiter brummen, wenn in Deutschland die Lampen ausgehen?!

little_TIGER

02.04.2012, 16:45 Uhr

Na, das traue ich nicht einmal einen Hessen zu, bei billigen Benzin zweimal am Tag zur Arbeit zu fahren.
Aber höhere Treibstoffkosten würden zur Anschaffung zu sparsameren Autos führen (Ist natürlich ein langfristiger Prozess). Oder auch zu mehr Fahrradfahrer u.ä.
Natürlich beeinflusst dies die anderen Länder, wie China oder Indien nicht. Aber es geht primär darum unsere Ausgaben für Treibstoff bzw. Energie zu reduzieren. Ansonsten arbeiten wir nur noch für das liebe Öl!. Jeder ausgegebener Euro an der Tankstelle fehlt im Geldbeutel, sowohl bei Einzelnen als auch bei der Leistungsbilanz von Deutschland.

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