Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2013

14:50 Uhr

Pro Hoeneß

Ohne Hoeneß geht es nicht

VonAlexander Möthe

Der Aufsichtsrat des FC Bayern München hat Uli Hoeneß trotz der Steueraffäre das Vertrauen ausgesprochen. Dieser Schritt sollte akzeptiert werden. Kritiker sollten die sportliche nicht mit der privaten Sphäre vermengen.

Handelsblatt-Autor Alexander Möthe. Rudolf Wichert

Handelsblatt-Autor Alexander Möthe.

Der leider viel zu früh verstorbene britische Autor Douglas Adams hat einmal ein Buch über bedrohte Tierarten geschrieben. An einer Stelle heißt es darin: „Auch Löwen und Tiger sind Menschenfresser, und obwohl wir ihnen gegenüber höchst misstrauisch sind und sie mit ängstlichem Respekt behandeln, bewundern wir sie doch instinktiv. Wir wollen zwar nicht gefressen werden, aber die Idee an sich verübeln wir ihnen nicht.“

Uli Hoeneß ist kein Löwe und kein Tiger, aber neben dem Ruf als integrer Geschäftsmann hat er sich durch emotionale Ausbrüche und harte Abrechnungen durchaus das Image eines Menschenfressers zugelegt. Ein Unternehmen von der Größe des FC Bayern München, mit dem Anspruch und den wirtschaftlichen Voraussetzungen, Weltmarktführer zu sein, braucht im operativen Geschäft einen Macher, der vielleicht nicht ohne Skrupel, aber weitgehend kompromisslos ist.

Dass er diese Art von Manager sein kann und ist, hat Hoeneß 30 Jahre lang in dieser Funktion beim FC Bayern München bewiesen. Und auch wenn außerhalb des Kreises von FCB-Bewunderern schon immer gemutmaßt wurde, dass da im Süden nicht alles mit rechten Dingen zugeht: Die Vereinsmitglieder wählten ihn zum Präsidenten der e.V. und den Aufsichtsrat der AG. Das Kontrollgremium selbst schließlich vertraute der Person und dem Geschäftsgebaren so sehr, dass ihm die Rolle des Chefaufsehers anvertraut wurde.

Eine Steueraffäre später ist Hoeneß immer noch im Amt. Nicht, dass selbige schon ausgestanden wäre. Aber mit Bekanntwerden von Selbstanzeige und Ermittlungen wurde der Aufsichtsrat mit zwei Dingen konfrontiert: Über die Zukunft von Hoeneß als Chefkontrolleur zu entscheiden und mit dem Angebot des Vereinspräsidenten umgehen, seine Ämter ruhen zu lassen. Eine endgültige Entscheidung wurde vertagt, man behalte sich vor, auf Entwicklungen zu reagieren.

Fakt ist, dass Uli Hoeneß nach wie vor Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG ist. Martin Winterkorn und Rupert Stadler, die für Integrität stehenden Lenker der großen Autokonzerne Volkswagen und Audi, haben diese Entscheidung mitgetragen. Die Aussage ist: Wir trauen der Person Uli Hoeneß zu, die Saison geschäftlich wie sportlich zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Im Umkehrschluss: ohne Hoeneß geht es nicht. Das ist nichts anderes als eine um einen mahnenden Zeigefinger verpackte Absolution.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

schmiermich

02.06.2013, 15:34 Uhr

der hoeneß is wie er is und wer sich für fußball interessiert muß ihn bewundern .



aber einen steuerhinterzieher als integren geschäftsmann zu bezeichnen.kann nur der medienpraktikant.

in unserm unternehmen werden alle ,die eine straftat eingeräumt haben,nicht rausgeschmissen aber dazu geknechtet,daß sie mit den sonderermittlern alle deals der letzten jahre durchgehn.

auch bayern war schon beim einen und andern transfer im gespräch,und zwar nicht positiv.

auch die hertha brasilianer wurden munkelmäßig bayrisch über bande eingekauft

Account gelöscht!

02.06.2013, 16:15 Uhr

Die Argumente vergangen nicht - denn angesichts der Tatsache, dass die Affäre offengelegt hat, dass Herr Hoeness es mit der Legalität nicht ganz so ernst nimmt, wenn sein persönliches Wohl dabei betroffen ist, ist auch nicht auszuschließen, dass die "Einschätzung" seiner Tauglichkeit tatsächlich nicht auf einer solchen sondern auf "wohltätigen Spenden" beruht. Mit einem "Generalverdacht gegenüber Wohlhabenden" hat das präzise gar nichts zu tun, und diesen hier anzuführen ist ein reichlich peinlicher Versuch, seine Kritiker zu diffamieren.

Account gelöscht!

02.06.2013, 18:02 Uhr

"Vergessen werden darf auch nicht, dass der Fall überhaupt erst durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangte". Alleine diese Aussage zeigt, welches Rechtsverständnis der Autor hat. Steuerhinterziehung ist also in seinen Augen legal. Sorry liebes HB, aber Ihre Redakteure sollten auf dem Boden des GG argumentieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×