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22.04.2013

17:58 Uhr

Pseudo-Flatrate der Telekom

Ein Fall für die Kartellwächter

VonChristof Kerkmann

Internet in Magenta: Die Telekom schafft die herkömmliche Flatrate ab. Schlimmer als die Datendrosselung ist jedoch, dass sie auch das Prinzip der Netzneutralität mit Füßen tritt. Ein Kommentar.

Die Telekom schafft die Flatrate durch die Hintertür ab. Reuters

Die Telekom schafft die Flatrate durch die Hintertür ab.

Die Deutsche Telekom schafft das Rundum-Sorglos-Paket fürs Internet ab: Wer eine monatliche Datenmenge verbraucht hat, wird künftig auf 384 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) ausgebremst – nach heutigen Maßstäben eine Schneckenverbindung. Auch wenn das nicht ab sofort gilt und nicht für bestehende Verträge, könnten die Folgen langfristig gewaltig sein. Denn das magentafarbene Internet, wie es sich der Konzern vorstellt, schadet der Netzwirtschaft.

Dass die Telekom die Flatrates abschafft, ist nicht unbedingt zum Nachteil der Kunden. Mit 75 Gigabyte dürften viele auskommen – das Unternehmen rechnet vor, dass man damit nicht nur im Netz surfen und Mails bearbeiten, sondern beispielsweise auch noch zehn Filme in normaler Auflösung und drei Filme in HD-Qualität anschauen sowie 60 Stunden Internet-Radio hören kann. Wer mehr heruntersaugen will, zahlt eben eine „Zubuchoption“. Oder geht zur Konkurrenz.

Das sind die größten Telekommunikationsunternehmen

Platz 10

Deutsche Telekom - 37,05 Milliarden Euro

Platz 9

Telstra (Australien) - 42,84 Milliarden Euro

Platz 8

NTT (Japan) - 43,13 Milliarden Euro

Platz 7

Telefonica (Spanien) - 46,31 Milliarden Euro

Platz 6

NTT Docomo (Japan) - 47,99 Milliarden Euro

Platz 5

America Movil (Mexiko) - 66,96 Milliarden Euro

Platz 4

Verizon (USA) - 93,38 Milliarden Euro

Platz 3

Vodafone (Großbritannien) - 94,26 Milliarden Euro

Platz 2

AT & T (USA) - 145,27 Milliarden Euro

Platz 1

China Mobile - 177,02 Milliarden Euro

Ranking nach Marktkapitalisierung (Dezember 2012) - Quelle: Bloomberg

Fatal ist jedoch, dass das Tempolimit nicht für die Dienste der Telekom gilt. Ein Beispiel: Wer einen Film der Online-Videothek Maxdome anschaut, muss auf sein Datenkontingent achten, wer den Telekom-Dienst Entertain nutzt, dagegen nicht. Damit nutzt die Telekom ihre dominante Position als Netzbetreiber, um Kunden auch von ihren Inhalten zu überzeugen. Das schadet dem Wettbewerb. Ein Fall für die Kartellwächter.

Gleichzeitig verstößt die Telekom gegen die Idee der Netzneutralität. Dieser Regulierungsgrundsatz sieht vor, dass die Telekommunikationsanbieter alle Daten gleich behandeln. Er ist seit den Anfängen des Internets ein Garant für Wettbewerb und Innovationen in der digitalen Industrie, weil jedes Unternehmen seine Dienste ohne Hürden anbieten kann. Mit seiner Pseudo-Flatrate schafft die Telekom auch diesen Grundsatz mehr oder weniger heimlich ab.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

22.04.2013, 19:07 Uhr

Was häufig übersehen wird: heute sind 75 GB das Limit, morgen sind es 75 GB - x. So fing es auch bei den Ortsgebühren im Telefonbereich an. Damit sind der Telekom alle Türen der Kundengängelung geöffnet...

Doc_D

22.04.2013, 19:34 Uhr

Was ebenfalls gern übersehen wird - in den Bereichen unseres Landes, in denen nur Internet per Mobilfunk verfügbar ist, sind diese Beschränkungen nichts neues. Ich persönlich würde für eine 75GB-Flat und eine Datenbefreiung für Telekomangebote sofort unterschreiben. Interessanterweise ist diese Vorgehensweise für alle Mobilfunkanbieter normal und keiner regt sich über die Netzneutralität oder Zugangsbeschränkungen auf.

MauriceBlume

22.04.2013, 20:24 Uhr

Es gab schon viel Kritik an den Plänen der Telekom - jetzt werden sie in die Tat umgesetzt!
Ich befürworte den Widerstand, der hier, auf der Telekom-Facebook-Seite und auf anderen Internet-Platformen geleistet wird (...)


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