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24.01.2009

10:10 Uhr

Rettung aus tiefer Not

Warum wir eine „Bad Bank“ brauchen

VonRobert Landgraf

Schon seit Monaten ist klar: Es hat alle erwischt – die deutschen Banken stehen am Rand des Abgrunds. Das ist zwar schmerzlich, aber nichts als die Wahrheit. Und deshalb brauchen wir dringend eine „Bad Bank“.

Es fällt schwer, es klar und deutlich zu sagen: Die deutschen Banken stehen am Rand des Abgrunds. Das ist die schmerzliche Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Schon seit Monaten geht es nicht mehr nur um die Landesbanken und ihre Probleme und daneben vor allem noch um die Immobilienbank Hypo Real Estate. Nein, spätestens seit dem Eingeständnis eines massiven Verlusts beim Branchenprimus, der Deutschen Bank, ist klar: Es hat alle erwischt.

Wir benötigen daher dringend eine „Bad Bank“, in der ein Großteil der giftigen Wertpapiere und Kredite aufgenommen werden kann, die jetzt noch in den Bankbilanzen schlummern.

Lange Zeit sah es so aus, als habe die Deutsche Bank den Stein der Weisen gefunden und das Management das Institut mehr oder weniger geschickt durch die Finanzkrise laviert. Der Eindruck war wohl zu schön, um wahr zu sein. Seit der Ankündigung eines Verlusts von knapp fünf Milliarden Euro im vierten Quartal muss auch die Deutsche Bank zittern – auch wenn das Management um Bank-Chef Josef Ackermann das sicherlich weit von sich weisen würde; das müsste er sogar, um hohe Verunsicherung bei Banken und Anlegern zu vermeiden. Klar ist auch, dass die Deutsche Bank der größte Profiteur einer Bad Bank wäre, selbst wenn Ackermann noch vor kurzem sagte, dass er nichts mehr für eine Einlieferung in ein Finanzvehikel, das den ganzen Wertpapierschrott aufsammelt, in den Büchern habe.

Doch in der Bilanz der Deutschen Bank könnte noch einiges stehen, was das Institut gerne loswerden will, bevor die Einzelheiten bei der Bilanzkonferenz Anfang Februar präsentiert werden. Dabei dürfte es weniger um Brückenkredite gehen, die für Übernahmen gewährt wurden, als um Staatsfinanzierungen in südeuropäischen Ländern und natürlich um toxische Wertpapiere und Derivate, die trotz der Erleichterungen bei den internationalen Bilanzierungsregeln noch drücken.

Letztlich ist eine Entscheidung für eine Bad Bank so auch eine Entscheidung für einen internationalen Spieler wie die Deutsche Bank. Und für einen zweiten internationalen Spieler, der freilich erst noch heranreifen muss, nachdem er mit staatlicher Hilfe überlebt hat: die neue Commerzbank mit ihren Töchtern Eurohypo und Dresdner Bank. Da die Politik den Wunsch nach zwei internationalen Spielern im Finanzgeschäft schon lange hegt, wird es zu einem Vehikel für giftige Wertpapiere kommen.

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