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15.05.2012

11:35 Uhr

Rezession

Deutschland koppelt sich vom Trend ab

VonDirk Heilmann

Deutschland braucht keine Wachstumsprogramme, die Wirtschaft ist aus sich heraus stark genug. Das hilft auch der Eurozone. Die Ungleichgewichte im Währungsraum gleichen sich aus: Der deutsche Handelsüberschuss sinkt.

Deutscher Export weiterhin hoch, gleichzeitig steigt der Import aus anderen EU-Ländern. dpa

Deutscher Export weiterhin hoch, gleichzeitig steigt der Import aus anderen EU-Ländern.

Die deutsche Konjunktur schickt sich nach 2010 und 2011 erneut an, alle Skeptiker zu widerlegen. Noch vor wenigen Wochen stritten sich die Ökonomen, ob wir im Winter eine Rezession hatten oder nicht und waren sich einig, dass für 2012 nur ein mageres Wachstum von einem halben oder dreiviertel Prozent zu erwarten sei. Dann wagten sich die ersten Optimisten vor und erhöhten ihre Prognosen für das Jahr auf ein Prozent Wachstum. Und nun stellt sich heraus, dass die Wirtschaft hierzulande im ersten Quartal bereits um ein halbes Prozent gewachsen ist – im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von 1,7 Prozent. Die Prognosen für 2012 dürften sich also, wie schon in den beiden Vorjahren, nach und nach aufwärts bewegen.

Der Autor ist Chefökonom des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Dirk Hinrich Heilmann

Der Autor ist Chefökonom des Handelsblatts.

Deutschland braucht also kein Wachstumsprogramm, unsere Wirtschaft ist aus sich heraus stark genug.  Frankreich stagniert jedoch, der Süden Europas rutscht immer tiefer in die Rezession und jetzt rutscht auch noch Osteuropa hinterher, wie die Zahlen aus Tschechien, Ungarn und Rumänien zeigen. Nun werden wir wieder die Vorwürfe hören, dass Deutschland auf Kosten seiner europäischen Nachbarn floriert. Doch das ist Unsinn. Was das unerwartet starke Wachstum vor allem erzeugt hat, ist der Außenhandel – nie waren Exporte höher als im März. Doch hier expandiert vor allem der Handel mit anderen Kontinenten.  Deutschland mit seiner starken Industrie koppelt sich von den Problemen in Europa ab, floriert also trotz der Euro-Krise. Noch, muss man hinzufügen, denn das wird nicht ewig gutgehen, vor allem nicht wenn die Euro-Schuldenkrise sich zu einer neuen globalen Finanzkrise ausweiten sollte.

Innerhalb Europas beginnen sich die Ungleichgewichte hingegen zu reduzieren. Deutschlands Handelsüberschuss mit dem Rest der Euro-Zone ist im März weiter gesunken, weil die Exporte schrumpften, aber die Importe stiegen. Zugleich steigen hierzulande die Löhne so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr, während sie in Südeuropa sinken. Das heißt: Deutschland leistet bereits den geforderten Beitrag zum Abbau der Ungleichgewichte in Europa. Die Euro-Partner sollten sich wünschen, dass die deutsche Industrie weiter weltweit gute Geschäfte macht. Würde auch Deutschland stagnieren, dann wäre es mit dem Abbau der Ungleichgewichte bald wieder vorbei.

Kommentare (2)

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sciurus

15.05.2012, 14:15 Uhr

Herr Heilmann wo kommt der nationalisische Ton ihres Artikels her ?

Account gelöscht!

15.05.2012, 21:25 Uhr

Schön, dass die deutsche Wirtschaft wächst. Doch was sagen uns die Zahlen wirklich? Dass die deutsche Wirtschaft, wenn alles gut geht, am Ende des Jahres doch um ganze zwei Prozent gewachsen ist? Das ist bei 2,5 Prozent Inflation real betrachtet eine Schrumpfung! Und nicht vergessen sollte man die Sonderkonjunktur im Bau und auf dem Immobilienmarkt insgesamt. Mit steigenden Zinsen wird diese Sonderkonjunktur schnell wieder abflachen. Spanien hat sich gerade ein Jahrzehnt reicht gerechnet durch solch eine Zahlenakrobatik...

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