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04.04.2006

14:54 Uhr

Rohstoffe

Fehlende Weitsicht

VonUdo Rettberg

Wie kaum ein anderes Industrieland ist Deutschland bei den meisten wichtigen und knappen Rohstoffen auf Importe angewiesen. Nirgends zeigt sich diese Abhängigkeit so stark wie auf dem Energiesektor.

Wie kaum ein anderes Industrieland ist Deutschland bei den meisten wichtigen und knappen Rohstoffen auf Importe angewiesen. Bei bedeutenden metallischen, agrarischen und vor allem energetischen Rohstoffen liegt diese Abhängigkeit sogar bei nahezu 100 Prozent. Für ein Industrie- und Hochtechnologieland ist damit eine hohe Verwundbarkeit verbunden.

Nirgends zeigt sich diese Abhängigkeit so stark wie auf dem Energiesektor. Dass sich der Ölpreis in den vergangenen sieben Jahren beinahe verfünffachte, hat lange die Konjunktur gebremst. Politik und Wirtschaft sind daher aufgerufen, mehr für die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen zu tun.

Denn im 21. Jahrhundert muss sich die Rohstoffpolitik eines Landes an der deutlich erkennbaren Verknappung lebenswichtiger Güter auf den Weltmärkten orientieren. Die prosperierende Volksrepublik China hat dies wie kaum eine andere Nation erkannt. Mit diplomatischem Geschick und viel Geld sichert sich Peking seit geraumer Zeit in aller Welt den Zugang zu wichtigen Vorkommen an energetischen und metallischen Rohstoffen. Doch nicht nur das: Um den Hunger der beinahe 1,4 Milliarden Menschen im Reiche der Mitte zu stillen, hat sich das Land darüber hinaus sogar auch die Rechte für agrarische Nutzflächen etwa in Lateinamerika gesichert.

Im Vergleich dazu lässt die Rohstoffpolitik Deutschlands nicht nur jegliche Weitsicht vermissen. Das, was rohstoffpolitisch lange Zeit aus Berlin zu hören war, vermittelt bis heute den Eindruck, als habe man die Zeichen der Zeit und die Dringlichkeit zum Handeln noch immer nicht gesehen.

Dabei hat kaum eine andere Entwicklung Wirtschaftsforscher und Politiker in den vergangenen fünf Jahren so überrascht wie der exorbitante Anstieg der Rohstoffpreise. Wenn aber erst heute in Berlin das Thema Rohstoffversorgung mit dem Energiegipfel zur „Chefsache“ erklärt und zum Gipfelthema gemacht wird, müssen sich die Beteiligten schwere Versäumnisse in der Vergangenheit vorwerfen lassen. Denn was heute in stark gestiegenen Preisen an den internationalen Rohstoffmärkten Tag für Tag abzulesen ist, deutete sich bereits seit langen Jahren an.

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