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04.01.2007

05:58 Uhr

Saddam-Video

Voyeurismus 2.0

VonJens Koenen

Willkommen in der neuen Internetmedienwelt! Wie sie aussehen kann, zeigen derzeit die Betreiber eines deutschen Internetportals. Das Video von der Hinrichtung Saddam Husseins sei nun komplett und in voller Länge für jeden online zu sehen, heißt es in einer Presseerklärung.

Und weil man sich ja doch verantwortungsbewusst geben will, wird die Geschäftsführung heute in einer Sondersitzung darüber diskutieren, ob die Präsentation auch moralisch korrekt ist oder nicht. Noch nie war eine Werbung geschmack- und niveauloser. Niemals zuvor hat sich aber auch deutlicher gezeigt, wie eng Chancen und Risiken in der neuen digitalen Medienwelt beieinander liegen. Einmal im Internet, sind Informationen jedweder Art nicht mehr zurückzuhalten. Wie ein Krake breiten sich die Dateien aus. Abnehmer gibt es zuhauf.

Nun werden Kritiker entgegnen, dass Voyeurismus schon immer ein Merkmal der menschlichen Gesellschaft war. Das ist richtig. Doch neu ist, dass dieser Neigung in der neuen Web-2.0-Welt ein Forum geboten wird, das seinesgleichen sucht. Hemmungslos stellen Menschen sich selbst oder andere auf den „Community Sites“ zur Schau, in vielen Fällen auch einfach nur bloß. Wer schützt uns, wer schützt die Gesellschaft künftig vor dem ausufernden Voyeurismus? Es ist Häme pur, wenn der Betreiber des deutschen Videoportals auf die Eigenverantwortung eines jeden einzelnen Nutzers verweist. Er könne ja per Mausklick frei entscheiden, ob er das Todesvideo denn auch sehen wolle. Was der schönen neuen Internetwelt fehlt, ist ein Regulativ. Das ist eine der eigentlichen Herausforderungen im Web-2.0-Zeitalter. Und es ist entscheidend für die Zukunft des neuen Geschäftsmodells Web-2.0.

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