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27.02.2004

07:00 Uhr

Schröder in den USA

Kommentar: Partner auf neuer Basis

VonAndreas Rinke

Lächeln, lächeln, lächeln. Nur ein Schelm wird von der hohen Kunst des politischen Schauspiels sprechen, wenn heute US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder aufeinander treffen. Denn mit Vehemenz werden beide beteuern, dass die Verstimmungen im transatlantischen Verhältnis vorbei sind. Der Blick geht nach vorne. Die gemeinsame Basis – politisch, wirtschaftlich und kulturell – ist so breit wie eh und je.

Das stimmt, aber trotzdem hat sich Entscheidendes verändert. Es ist noch nicht lange her, da reisten Bundeskanzler in einer Haltung aus Dankbarkeit und Demut nach Washington, in der Erwartung, vom großen Verbündeten Anweisungen für den eigenen Part bei der Bewältigung internationaler Krisen zu erhalten. Das hat sich geändert, vor allem wegen der rapide fortschreitenden EU-Integration. Denn heute vertritt Schröder in Washington eben nicht mehr nur Deutschland, sondern indirekt die EU. Trotz Streitigkeiten in Einzelpunkten waren sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien noch nie so nahe.

Das dadurch wachsende Selbstbewusstsein wird im transatlantischen Verhältnis spürbar werden: Gerade die Deutschen hören nicht mehr nur zu, sondern pochen auf verstärkte Mitsprache – auch bei der üblicherweise von Washington geschriebenen politischen Agenda.

In den USA trifft dies auf einen neuen Realismus. Denn auch in Washington sind die Träume einer allein agierenden „Hyperpower“ weitgehend ausgeträumt. Wirklich dominant sind die USA nur in einem einzigen Feld, der militärischen Macht. Bei allen anderen internationalen Themen brauchen sie Unterstützung. Deshalb ist es nicht nur Wahlkampftaktik, wenn Bush heute versöhnlicher klingt als noch vor kurzem.

Das ist das Neue in den Beziehungen. Alt ist dagegen, dass die Ansprüche der Europäer zum Ärger der Amerikaner noch immer schneller wachsen als ihre Fähigkeiten – etwa im militärischen Bereich. In diesem Kontext sollte man die Vorschläge des Dreiergipfels von Berlin sehen: Eine wettbewerbsfähigere EU soll die Voraussetzung dafür schaffen, dass die Union die Rolle in der Welt spielen kann, die zumindest die großen EU-Staaten längst für sie beanspruchen.

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