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29.03.2014

16:07 Uhr

Schwarz-Rot und die Zukunft

Das sehen wir anders!

Was bringt die Politik der Großen Koalition denjenigen, die heute jung sind? Wie zukunftsweisend sind die Ideen zu Rente, Haushalt oder dem Klimaschutz? Zehn junge Journalisten kommentieren die Arbeit der Regierung.

Die Volontäre der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten.

Die Volontäre der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten.

Im falschen Film
Andreas Macho über die Unmöglichkeit, Krieg zu spielen

Wer Verschwörungsfilme mag, den bedienten die Schauspieler der Großen Koalition in den vergangenen 100 Tagen recht passabel. Ein unbescholtener SPD-Politiker versank im Sumpf aus Kinderporno-Vorwürfen und riss gleich noch einen CSU-Minister mit ins Verderben. Das Stück versprach Spannung, der Titel einen echten Reißer: Staatskrise! Das alles wäre recht unterhaltsam gewesen, hätte es zwei knappe Flugstunden von Berlin entfernt nicht gleichzeitig Dutzende Tote gegeben. Und hätten die großen und kleinen Mächte im Krim-Konflikt nicht ein Wort wiederbelebt, das meine Generation bisher nur aus dem Kino kannte: Krieg.

Auch die deutsche Außenpolitik erscheint plötzlich wie eine einzige Inszenierung:  Die gedehnte Sprachmelodie des Bundesaußenministers haucht den Worten „Krim-Krise“, „Eskalation“ und „Kalter Krieg“ erst die rechte Erschütterung ein. Die deutsche Politik bereitet die Bühne für das ganz große Schauspiel. Zurücklehnen sollte man sich in dem Stück „Der russische Aggressor“ aber besser nicht. Denn die von Deutschland unterstützte Strategie der Sanktionen und schrittweisen Zuspitzung bereitet dem neuen Ost-West-Konflikt erst jenes gefährliche Gefälle, das sie ihm angeblich nehmen soll. Selbst die Grünen lassen sich von dieser Aufführung zum Mitspielen verleiten. Kann man dieses Stück bitte stoppen, bevor in Berlin die ersten Russland-Fahnen verbrannt werden?

Andreas Macho VHB

Andreas Macho

Um den Sinn für die Realität noch einmal zu schärfen: Krieg in Europa ist wie Schneefall im Sommer. Denkunmöglich. Die Erinnerung an den Krieg ist derart verblasst, dass Soldatenfotos aus den Schützengräben des 1. Weltkriegs nachträglich koloriert werden. Wir dürfen sie nicht wiederbeleben. Deshalb sollte die Bundesregierung sprachlich abrüsten, damit wir nicht eines Tages aufrüsten müssen. Sie sollte die Courage haben, Wladimir Putin am Verhandlungstisch zu begegnen. Über einen neuen „Kalten Krieg“ zu reden, wie Frank-Walter Steinmeier es macht, nützt gar nichts. Es treibt die Eskalation bloß voran. Geschneit hat es im Sommer in Mitteleuropa zuletzt übrigens 1817.

Kommentare (1)

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31.03.2014, 11:23 Uhr

Vielen Dank für den im Durchschnitt sehr guter Beitrag! Fazit: mehr Stimme, mehr Öffentlichkeit für die „Jugend“, wie es Patrick Schultz beschrei(b)t.
Aber ist es wirklich so, dass es zu wenige oder zu schlecht qualifizierte Frauen gibt, die sich an der Schule bewerben, oder brauchen auch Sie eine Frauenquote? Im Durchschnitt hoben sich die Beiträge der beiden Damen noch einmal positiv ab.
Inhaltlich habe ich vor allem zu dem FDP-Argument - „die Ideologie siegte über die Vernunft“ - von Marc Etzold über die Atomenergie Anmerkungen. Die Atomgegner hatten seit jeher vernünftige Gründe, die zwei gewichtigsten sind der hohe und ggf. existenzielle Schaden des Risikos sowie eine nicht einschätzbare Langzeitproblematik (z.B.: was geschieht mit dem Müll). Das Gegenargument ist lediglich die geringe Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos, die bei reiner Statistik tatsächlich vernachlässigbar wäre. Es handelt sich jedoch nicht um reine Statistik, sondern es geht um die existenzielle Frage, welches diesbezügliche Risiko Menschen einzugehen bereit sind. Dies, trotz vernünftiger Gründe, als Ideologie zu bezeichnen ist die eigentliche Ideologie, da man ja selbst keine tatsächlichen, sondern nur praktische Gegenargumente hat, der Gestalt: „ich bin bereit dieses Risiko einzugehen“. Über dieses Risiko kann jedoch nur jeder für sich entscheiden, die Frage ist von daher m.E. auch nicht demokratisch legitimierbar.
Ferner zu der zweifelsohne richtigen Anmerkung, dass sich durch Fukushima die Wahrscheinlichkeit nicht geändert hat. Allerdings war vor der Dramatik der Geschehnisse eine ideologische Haltung, die zudem gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung stand, tatsächlich nicht mehr haltbar. Es wäre nicht nur der Herr Mappus weg vom Fenster gewesen, womit wir letztlich mitten in dem intelligenten Beitrag von Anja Stehle stehen.

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