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29.01.2008

17:55 Uhr

Wenn ein gesellschaftliches Phänomen einjähriges Jubiläum hat, interessiert das üblicherweise höchstens welterklärende Soziologen oder unterbeschäftigte Demoskopen. Im Falle von Second Life, der virtuellen, dreidimensionalen Welt im Internet, die vor einem Jahr ihren medialen Höhepunkt erreichte, ist dies freilich anders. Was aus den Pixel-Fluchtwelten geworden ist, will der eindimensionale Ignorant von einst schon gerne wissen.

Die Antwort ist einfach: gar nichts! Second Life floppt. Wenn die Erfinder dies mit technischen Problemen und der „Komplexität“ der Programmierung erklären, so liegen sie daneben. Die Erklärung beschreibt das wahre gesellschaftliche Phänomen: Die Menschen haben sich schon in ihrem „ersten Leben“ virtuell eingerichtet. Was braucht es die Cyberwelt, wenn im „First Life“ ein kleiner Banker bei der Société Générale mit 50 Milliarden Euro unkontrolliert zocken darf? Was brauchen wir die entrückte Dreidimensionalität, wenn im richtigen Leben Politiker die Regeln der Globalisierung durch fahrlässige Wortbeiträge außer Kraft setzen wollen (siehe Nokia in Bochum) und so den Entlassenen Hoffnungen machen?

Warum sollen sich die Wähler der Linkspartei in Hessen und Niedersachsen in virtuelle Welten wegträumen, wenn schon ihre reale Welt ein einziger rosa Traum von Verheißungen ist? „Freibier für alle“ im richtigen Leben ist eben erquicklicher als Gratis-Sekt auf einem Bildschirm.

Diese Gesellschaft flieht, ja, aber sie nimmt nicht Zuflucht zu kommerziellen Scheinwelten im Internet, sondern hat sich ihre Scheinwelt im richtigen Leben eingerichtet. Edel sei das Leben, hilfreich und schön! Erst wenn die Nutzerzahlen bei Second Life wieder steigen, keimt Hoffnung auf Besserung in diesem Land!

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