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04.02.2008

12:35 Uhr

Gradlinig dürfte der Weg Serbiens nach Europa auch nach der Wahl von Boris Tadic zum Staatspräsidenten nicht verlaufen. Nur mit hauchdünner Mehrheit hat Tadic die Richtungswahl zwischen EU und Russland zugunsten der Gemeinschaft entscheiden können. Doch es bleibt unübersehbar: Serbien ist ein gespaltenes Land, das noch lange nicht in Europa angekommen ist.

Nahezu die Hälfte seiner Wähler denkt nationalistisch, fühlt sich als Verlierer des Modernisierungskurses von Belgrad. Ihnen spielt die unmittelbar bevorstehende Abspaltung des Kosovo in die Hände. Sie politisch von den Vorzügen einer Integration nach Europa zu überzeugen, wird ein hartes Stück Arbeit für den Präsidenten sein.

Durch Serbien verlaufen alle Bruchlinien der Auflösung des ehemaligen Jugoslawien. Noch vor weniger als zehn Jahren fielen Nato-Bomben auf das Territorium, noch heute leben im Schutz Belgrads vom Haager Tribunal gesuchte Kriegsverbrecher. Den Zerfall des ehemaligen Bundesstaates hat Serbien nie so recht verkraftet. Und nun sagt sich mit Unterstützung der EU auch noch das Kosovo los. Für die Traditionalisten ein schwer verdaulicher Schock.

Serbien muss eine neue Perspektive entwickeln, um seine Geschichte zu bewältigen. Darin liegt die wichtigste Aufgabe von Tadic. Nur wenn es ihm gelingt, eine Politik der Versöhnung in Gang zu setzen – und auch die Gräben, die ihn von Ministerpräsident Kostunica trennen, zu überwinden – kann Serbien nicht nur inneren Frieden finden, sondern die Annäherung an die EU konstruktiv nutzen. Politisch und wirtschaftlich hat der Balkan viel aufzuarbeiten. Die Europäische Union sollte die Gunst der Stunde nutzen, und ihre eher halbherzige Annäherung an Serbien jetzt mit Taten unterfüttern. Dann überzeugt sie auch die Skeptiker.

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