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07.01.2008

09:00 Uhr

Peter Löscher, dem Siemens-Chef, eilt der Ruf voraus, ein Mann vorsichtiger Töne zu sein. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Brief, den Löscher zu Jahresanfang an seine Führungskräfte verschickte, hat es in sich. Das Schreiben ist die Abrechnung mit der Ära seines Vorvorgängers Heinrich von Pierer.

Seit langem redet Löscher im Zusammenhang mit den Schmiergeldskandalen davon, dass Siemens einen Kulturwandel nötig habe. Das bedeutet zweierlei: zum Ersten einen langwierigen Prozess, zum Zweiten heißt es aber auch, dass Schwarzgeld Teil der Unternehmenskultur gewesen ist.

Diesen brisanten Teil einer äußerlich wenig auffallenden Aussage hat Löscher nun unterfüttert: Systematisch und über lange Zeit ist bei Siemens Geld in dunkle Kanäle geflossen. Doch nicht nur das: Deutlich wie nie hat Löscher die Frage nach der Verantwortung für diese Praxis gestellt.

Natürlich fällt der Name Heinrich von Pierers in diesem Zusammenhang nicht. Doch kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Konzernführung entschlossen ist, die Frage, wer für dieses System Siemens die Verantwortung trug, bis ganz nach oben zu treiben. Glaubt man den Signalen aus dem neuen Vorstand, so wird die Führung alles versuchen, um auch von Pierers Rolle zu hinterfragen. Seine Beteuerungen, von schwarzen Kassen nichts gewusst zu haben, werden dort seit längerem nur noch mit müdem Lächeln quittiert.

Es spricht für die Ernsthaftigkeit von Löschers Vorstoß, dass er mit der Frage nach der Verantwortung genau die stellt, die auch die staatlichen Ermittler umtreibt. Ihr Ziel ist es seit langem zu klären, wer wirklich hinter dem System stand. Für einen nachhaltigen Kulturwandel bei Siemens ist dieser Zusammenhalt unter den Aufklärern ein guter Anfang.

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