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24.01.2008

15:55 Uhr

Société Générale

Kommentar: Außer Kontrolle

VonHolger Alich

Die französische Großbank hat es schwer erwischt. Und die Diskussion über die Risikontrolle in der Branche bekommt eine ganz neue Dimension.

Der Milliarden-Betrugsfall bei Frankreichs Großbank Société Générale ist das Letzte, was der gebeutelte Finanzsektor derzeit gebrauchen kann. Denn der Vorfall droht die Vertrauenskrise weiter zu verschärfen, die die Branche wegen der Verluste im US-Hypothekenmarkt durchlebt. In jedem Fall werden die Vorgänge bei der Société Générale branchenweit die Frage aufwerfen, inwieweit der Bankensektor seine Risiken noch im Griff hat.

Denn der Betrugsfall bei der Société Générale ist kein Einzelfall. Im vergangenen September erlitt die französische Großbank Crédit Agricole einen Verlust von 250 Millionen Euro. Auch damals war eine Einzelperson für den Schaden verantwortlich. Ein New Yorker Aktienhändler der Investmentbank-Sparte baute Positionen außerhalb seiner Limits auf. Auch dort schlugen die Risikosysteme der Bank nicht rechtzeitig Alarm.

Bei der Société Générale liegt der Fall etwas anders. Denn der Aktienhändler hat bewusst und absichtlich die Kontrollsysteme getäuscht. Da er zuvor jahrelang im sogenannten Back Office der Bank gearbeitet hat, kannte er die Kontrollmechanismen offenbar gut genug, um sie austricksen zu können.

Die Erklärungen des Vorstandes der Société Générale zu dem Vorgang sind aber unzureichend. Denn es bleibt nach wie vor unklar, wie es möglich war, dass der Aktienhändler seit fast einem Jahr unentdeckt Spekulationsgeschäfte betreiben konnte. Schlimmer noch: Bank-Chef Daniel Bouton verstieg sich zu der Behauptung, dass „es kein allgemeines Versagen der Risikosysteme“ gegeben habe. Aber was nützt es, wenn die Systeme funktionieren, aber Sicherheitslücken aufweisen? Wo große Beträge im Spiel sind, muss mit krimineller Energie auch der Mitarbeiter gerechnet werden.

Das lenkt den Blick auf die gesamte Branche. Die Société Générale genoss bislang den Ruf, führend bei komplexen Derivate-Konstruktionen zu sein. Wenn aber eine Bank, die Erfahrung mit komplexen Konstruktionen hat, dennoch über unzureichende Kontrollen verfügt, wie groß mag erst das Risiko bei anderen Instituten sein? Die Debatte über die Risikosteuerung der Geldhäuser dürfte damit voll entbrennen.

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