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29.05.2012

19:27 Uhr

SPD

Die Troika hat keine Zukunft - aber sie bleibt

VonRüdiger Scheidges

Mit der Troika will sich die SPD seit etwa einem Jahr potenzieren: Der Wähler aber hat noch immer keine Oppositionsalternative zu Angela Merkel. Bis es soweit ist, wird noch einiges an Zeit vergehen.

Steinbrück, Gabriel und Steinmeier: Die SPD-Troika ringt noch um die Kanzlerkandidatur. Reuters

Steinbrück, Gabriel und Steinmeier: Die SPD-Troika ringt noch um die Kanzlerkandidatur.

Angela Merkel zehrte jahrelang, erst in der CDU, dann nach Schröder, vom Schwund starker Männer in der deutschen Politik. Die Kohlianerin wider Willen, dafür aus Passion, hat keinen starken Widerpart in der Opposition gefunden. Seit einem Jahr will die SPD sich deshalb potenzieren. Die sogenannte Troika will schaffen, was einem allein nicht gelingen will: effektiven Widerspruch einlegen gegen eine Politik, die sie als unsozial, unausgewogen, für die Reichen und deren Banken erkennt. Zu konstatieren aber ist nur ein Vakuum. Wo, bitte, geht es zur Opposition?

Fatal: Die drei von der SPD können selbst die Chance, die eine unter Machtschwund, bröckelnden Loyalitäten und steigender Wechselstimmung leidende Merkel bietet, nicht nutzen. Weder der herbe schwarz-gelbe Dauerstreit noch die Kabalen und Hiebe nach der NRW-Wahl, nicht einmal eine aus den Fugen geratene Energiewende kann die SPD für sich nutzen. Denn die Troika ist das politische Synonym für Selbstparalyse.

Das rote Dreigestirn aus einem Polit-Choleriker, einem Polit-Verwalter und einem Polit-Ökonomen muss seine Zeit vor allem damit verschwenden, auf Teufel und Wähler komm raus, erst untereinander, dann gegenüber der Öffentlichkeit den kleinsten gemeinsamen Nenner zu behaupten. Das hat vor allem eine trübe Konsequenz: Die wählende Öffentlichkeit weiß nicht, wer sich mit welchen zentralen Überzeugungen als Kanzlerkandidat profilieren könnte. Wer, bitte, hat in der Frage des Mindestlohns Merkel Paroli geboten?

Der Alternativen suchende Wähler wird während einer der tiefsten Identitäts- und Finanzkrisen Europas im Dunkeln darüber gelassen, welcher Genosse sich warmlaufen soll, wer die Geschicke des Landes leiten will - und nicht nur die eigenen im Wettlauf um die Kandidatur. Die Troika ist ein roter Tarnanzug. Er camoufliert den Mangel eines politisch unangefochtenen Machtzentrums in einer SPD, die nicht einmal ein zentrales Wahlthema erkennt. Das lockt keinen zur Urne.

Der einzige Weg aus dem tiefen Tal dieses trostlosen Ungefährs ist: Nicht erst wie geplant im Januar 2013, sondern vor der Sommerpause muss die SPD ihr Gesicht finden, die Troika kippen und im Herbst den Primus inter Pares küren. Zur Not in einem Referendum. Fatal ist der Eindruck, dass die Troika nichts anderes ist als ein Medium für parteiinterne Selbstvergewisserung und ideologischen Ausgleich.

Dennoch wird eine schnelle Kandidatenkür kaum passieren. Wohl aus dem brutalstmöglichen Manko: Die größte Oppositionspartei hat keine überragende Figur, die beim Wähler Erfolg verspricht. Obendrein kann sie nicht mehr einschätzen, wie weit die Loyalität der beiden Bauernopfer trägt, die das Nachsehen hätten. Souveränität sieht anders aus.

Kommentare (2)

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Mazi

29.05.2012, 20:27 Uhr

"Die Troika hat keine Zukunft - aber sie bleibt"

Weshalb verkürzen Sie?

Richtig muss es doch heißen:
Die Troika hat keine Zukunft - aber sie bleibt führende Oppostionspartei

Das ist doch keine Schaden, die führende Oppositionspartei zu sein.

RobertSchumansErben

29.05.2012, 22:06 Uhr

Ach wären die spd Vorderen doch vergleichbar drei Musketiere, da könnte man wenigstens von einer glorreichen Opposition sprechen. Wenn die spd sich nicht erneuern will, mangels eines oder einer aussichtsreichen Kandidaten/Kandidatin, wir der Wähler genötigt, eine andere "Spaßpartei" zu wählen. Gewiß keine Piraten, sondern echte Revolutionäre ohne Bart. Frau Merkel hat sich längst erkenntlich gezeigt. Die Entsorgung kommt nur mit Verzögerung auf.

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