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29.01.2008

05:10 Uhr

Staatsanleihen

Wenig Potenzial

VonAndrea Cünnen

Bei aller Unsicherheit an den Finanzmärkten ist aktuell zumindest auf eines Verlass:die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen.

Sobald die Kurse an den Aktienmärkten auf Tauchstation gehen, steigen die Kurse der Staatsanleihen. Das bedeutet, dass die Renditen der Festverzinslichen sinken. In den turbulenten ersten Wochen des Jahres ist so die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – Maßstab für die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum – zeitweise um einen halben Prozentpunkt auf unter 3,80 Prozent gefallen. Die ersten zaghaften Erholungsversuche an den Aktienmärkten trieben die Rendite dann schnell wieder auf vier Prozent.

Daraus ergeben sich zwei Schlussfolgerungen. Erstens:Die Renditen dürften in diesem Jahr angesichts der Nervosität an den Aktienmärkten stärker schwanken als üblich. Zweitens: Das Potenzial für steigende Anleihekurse und sinkende Renditen ist begrenzt.

Die Logik, die hinter dem Run auf Staatsanleihen steckt, ist simpel. Wer solide Staatspapiere zum Beispiel aus Deutschland kauft, riskiert zwar Kursschwankungen. Er kann die Anleihen aber bis zur Fälligkeit halten und bekommt sein Geld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zurück. Zwischenzeitlich gibt es Zinsen. Somit haben Investoren bei Anleihen zwar weniger Chancen auf Kursgewinne als bei Aktien, aber auch wesentlich geringere Risiken. Deshalb schichten Investoren ihr Geld von Aktien in Anleihen um, wenn sich an den Aktienmärkten Panik ausbreitet.

Die zeitweise deutlichen Renditerückgänge sind indes nicht allein mit der Flucht in die sicheren Anleihen zu erklären. Vielmehr wird die Bewegung durch Investoren verstärkt, die nicht langfristig denken, sondern auf kurzfristige Anleihegewinne spekulieren. Deshalb ziehen die Renditen auch schnell wieder an, sobald sich auch nur leichte Erholungstendenzen an den Aktienmärkten abzeichnen.

Die Aussichten auf nachhaltig deutlich fallende Renditen sind aber vor allem deshalb begrenzt, weil sie schon lange auf bereits sehr niedrigem Niveau verharren. Seit fünfeinhalb Jahren liegt die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe unter fünf Prozent. Und dass die Märkte von der Niedrig- in eine Niedrigst-Zinsphase abgleiten wie im Jahr 2005, als die zehnjährige Bundesanleihe im Schnitt nur 3,40 Prozent Rendite abwarf, ist unwahrscheinlich. Denn bis Dezember 2005 lag auch der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) mit zwei Prozent historisch niedrig. Zurzeit haben dagegen die europäischen Währungshüter den Schlüsselzins auf vier Prozent gesetzt. Und die EZB zeigt offiziell keine Neigung, die Leitzinsen zu lockern. Grund ist die hohe Inflationsrate von zuletzt drei Prozent, die deutlich über der Zielrate der Notenbank von zwei Prozent liegt.

Dass die langfristigen Kapitalmarktzinsen gleichauf beziehungsweise aktuell mit etwas weniger als vier Prozent sogar leicht unter dem Leitzins liegen, zeigt, dass die Investoren der EZB nicht glauben. Sie spekulieren darauf, dass sich die europäische Notenbank auf Dauer nicht dem Vorbild der US-Notenbank Fed entziehen kann. Die Fed hat angesichts der Finanzmarktkrise trotz hoher Inflationsraten in den USA den Schlüsselzins seit September bereits um 1,75 Prozentpunkte auf 3,50 Prozent gesenkt. Das hat – neben den Ängsten vor einer Rezession und noch stärkeren Rückgängen der Aktienkurse – die Renditen der US-Anleihen sinken lassen. Und das zog die Renditen im Euro-Raum zusätzlich nach unten.

Die meisten Ökonomen erwarten, dass die EZB spätestens im Herbst dann doch mit Zinssenkungen nachzieht. Das dürfte die Kapitalmarktzinsen aber nur leicht drücken. Denn sie haben einen solchen Schritt der EZB schon vorweggenommen.

Wenn sich zum Jahresende – unter anderem nach den Aufräumarbeiten der Banken in ihren Bilanzen – die Konjunktur stabilisieren sollte, könnten auch die Aktienmärkte wieder steigen. Für die Staatsanleihen würde dies wieder anziehende Renditen bedeuten. Deutlich höher als vier Prozent dürften die Kapitalmarktzinsen nach gängiger Meinung aber auch am Jahresende nicht liegen.

Trotz aller Turbulenzen an den Finanzmärkten werden Anleihen in diesem Jahr zwar schwanken, unter dem Strich sollte die Verzinsung aber kaum von der durchschnittlichen Rendite von 4,30 Prozent der letzten zehn Jahre abweichen. Das sind beruhigende Aussichten für Investoren wie Lebensversicherer, die Renditen unter vier Prozent in Probleme bei der Neuanlage stürzen. Für Privatanleger ergibt es dagegen wenig Sinn, ihr Geld auf zehn Jahre in Staatsanleihen zu binden. Schließlich gibt es mit Festgeld für ein Jahr derzeit im Schnitt 4,20 Prozent Rendite und damit mehr als für die langfristige Kapitalbindung.

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