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05.04.2006

12:53 Uhr

Stahlfusionen

Arcelor schwächt sich selbst

VonMarkus Hennes

Keine Frage, die Übernahmeschlacht der beiden Stahlgiganten Mittal und Arcelor geht in die entscheidende Phase. Nach zehn Wochen wird die Auseinandersetzung der beiden Kontrahenten immer mehr zu einem Zermürbungskampf. Die jüngsten Abwehrmaßnahmen des Verteidigers Arcelor sind nicht mehr wohl überlegt, sondern nur noch ein verzweifelter Reflex.

Sie haben allein das Ziel, die drohende Übernahme durch Mittal zu vereiteln. Arcelor schwächt sich zunehmend selbst, um die eigenen Aktionäre bei der Stange zu halten. Bereits mit dem ursprünglichen Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2005 hat der Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Nun aber legen Aufsichtsrat und Management noch einmal kräftig drauf. Nach 65 Cent im Vorjahr sollen die Aktionäre 1,85 Euro je Aktie oder knapp ein Drittel des Konzerngewinns erhalten. Und falls Mittal selbst die Übernahme abbläst oder er die Arcelor-Aktionäre nicht auf seine Seite ziehen kann, gibt es noch einmal eine Treueprämie von sage und schreibe fünf Milliarden Euro.

Arcelor-Chef Guy Dollé hat sich erpressbar gemacht. Vor den Begehrlichkeiten seiner Aktionäre, insbesondere der an kurzfristigen Gewinnen interessierten Hedge-Fonds, hat er kapituliert. Abwehrmaßnahmen oder so genannte Poison-Pills wie eine Sonderdividende oder Aktienrückkäufe hatte er nämlich bislang ausgeschlossen.

Nach der gestrigen Ankündigung wirkt seine bisherige Zuversicht, den Angriff Mittals allein mit der Aussicht auf künftig kräftig sprudelnde Gewinne abzuwehren, wie aufgesetzt. Noch ist Arcelor der bestverdienende Stahlkonzern der Welt. Doch die riesigen Summen, die jetzt im Verteidigungskampf verpulvert werden sollen, stehen für Investitionen nicht mehr zur Verfügung.

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