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17.09.2012

16:19 Uhr

Stimmt es, dass...

Beruhen die neuen Eigenkapitalregeln auf Denkfehlern?

VonNorbert Häring

Die neuen Basel III Regeln sollten der hemmungslosen Finanzwirtschaft Einhalt gebieten. Doch die neuen Regeln sind nur ein winziger Schritt in die richtige Richtung. Viele Baustellen bleiben im Rohzustand.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt und Buchautor.

Die Zentralbanker und sonstigen Bankaufseher, die im Baseler Ausschuss die neuen Regeln ausgekocht haben, die festlegen, wie viel Eigenkapital eine Bank vorhalten muss, wollen uns glauben machen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt haben. Die Basel III genannten Regeln sollen schaffen, was Basel I und Basel II nicht getan haben, Finanzkrisen verhindern.

Doch die Schöpfer der neuen Regeln haben nur vordergründig etwas gelernt. Im Wesentlichen läuft es auf die Erkenntnis hinaus, dass die Eigenkapitalanforderungen zu niedrig waren und deshalb erhöht werden sollen. Aber das wird nicht reichen. Denn die verfehlte, an der einzelnen Bank orientierte Philosophie ist erhalten geblieben.

Zwar wird viel über "makroprudentielle Orientierung" geredet. Das soll heißen, dass die Gesamtentwicklung stärker in den Blick rücken soll. So sollen die Anforderungen schärfer werden können, wenn die Kreditvergabe insgesamt stark steigt. Aber das ist nur ein winziger Schritt in die richtige Richtung, solange das Risiko des einzelnen Kredits oder des einzelnen Investments weiterhin nur am Risiko der Bank und nicht am Risiko für die Volkswirtschaft gemessen wird.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Die Eigenkapitalanforderungen sind als Prozentsatz der verschiedenen Vermögenswerte einer Bank berechnet. Je höher das Ausfallrisiko für die einzelne Bank, desto höher das Eigenkapital, das die Banken vorhalten müssen, um Ausfallrisiken bei diesen Vermögenswerten abdecken zu können.

Die Risiken für die Volkswirtschaft sind aber ganz andere als die Risiken für die einzelne Bank. Wenn die Banken eine Geldschwemme von den Zentralbanken, wie sie derzeit über sie schwappt, vor allem in schon vorhandene Vermögenswerte lenken, seien es Immobilien, Aktien oder Rohstoffe, dann bringt das die Gefahr einer Preisblase mit sich, die später platzen könnte und den Staat zu kostspieligen Bankenrettungen zwingt.

In Risikoberechnungen, die die Ausfallwahrscheinlichkeiten anhand der letzten fünf oder zehn Jahre errechnen, taucht dieses Risiko kaum auf, denn es sind jedes Mal andere Vermögenswerte, bei denen sich eine Blase bildet.

Wenn die Banken das Geld stattdessen für Kredite für produktive Investitionen verwenden, mag das Ausfallrisiko für die einzelne Bank höher erscheinen. Für die Volkswirtschaft und für die Sicherheit des Bankensystems insgesamt sind solche Kredite jedoch um ein Vielfaches erstrebenswerter als Kredite für Aktien- oder Immobilieninvestments.

Indem die Schöpfer von Basel III im Wesentlichen an ihrer Fokussierung auf die einzelne Bank festgehalten haben, haben sie eine äußerst wirkungsvolle Möglichkeit ungenutzt gelassen, das viele neue Geld, das die Zentralbanken in Umlauf bringen, in volkswirtschaftlich und für die Finanzstabilität sinnvolle Verwendungen zu lenken. Hätten sie diese Möglichkeit genutzt, hätten sie die Wirtschaft mit viel weniger Ausweitung der Zentralbankgeldmenge ankurbeln können.

Kommentare (2)

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Rechner

17.09.2012, 19:12 Uhr

Herr Häring, Sie sagen: "Die Basel III genannten Regeln sollen schaffen, was Basel I und Basel II nicht getan haben, Finanzkrisen verhindern."

Tatsächlich haben Basel I und II die Finankrisen nicht nur nicht verhindert, sondern sie haben sie erzeugt.

Denn ohne die blinde Genehmigung von Agenturenratings als Grundlage von Risikobewertungen und die betrügerischen "Ratings" für synthetische ABS wäre doch die Finanzkrise I nie zustande gekommen.

Und die Finanzkrise II ist auch dadurch veruracht worden, daß Griechenland erst im April 2010 sein Investmentgrade Rating verloren hat. Was dann die Schwierigkeiten natürlich noch verstärkt hat.

...

Umso einheitlicher man Finanzmarktakteure regelt, desto größer werden die Krisen die man sich dadurch einhandelt.

Rußlandkrise, Tequillakrise, Argentinienkrise ... alles erträglich.

Die Folgen von Großkrisen wie sie fucrh Basel angerichet wurden sind es NICHT.

...

Kapitalismus ohne Krisen wird es nicht geben. Es kommt darauf an, die Krisen klein zu halten.

...

Basel gehört auf den Müllhaufen der Wirtschaftsgeschichte.

Rechner

17.09.2012, 19:18 Uhr

Herr Häring, Sie sagen: "[...] haben sie eine äußerst wirkungsvolle Möglichkeit ungenutzt gelassen, das viele neue Geld, das die Zentralbanken in Umlauf bringen, in volkswirtschaftlich und für die Finanzstabilität sinnvolle Verwendungen zu lenken. Hätten sie diese Möglichkeit genutzt, hätten sie die Wirtschaft mit viel weniger Ausweitung der Zentralbankgeldmenge ankurbeln können."

Soll via Bankenregulierung jetzt mikroökonomisches Management betrieben werden?

Das kann doch wohl nicht ihr Ernst sein, Herr Häring.

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