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10.09.2012

16:51 Uhr

Stimmt es, dass...

Handelt die EZB gegen deutsche Interessen?

VonNorbert Häring

Die Börsen jubelten, nachdem bekannt wurde, dass die EZB unbegrenzt Anleihen von klammen EU-Staaten kaufen wird. Doch in Deutschland, vor allem in den Reihen der Bundesbank, wurde Kritik laut. Zu recht?

Die Aktienmärkte feierten Draghis Entscheidung unbegrenzt Anleihen von EU-Krisenstaaten zu kaufen. dpa

Die Aktienmärkte feierten Draghis Entscheidung unbegrenzt Anleihen von EU-Krisenstaaten zu kaufen.

Ja und Nein. Es kommt darauf an, welche deutschen Interessen man im Sinn hat. Der deutsche Aktienmarkt fand es am Donnerstag und Freitag gut, dass die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzte Anleihekäufe von Krisenstaaten beschloss und außerdem ankündigte, dass sie künftig die Rückzahlungsversprechen der klammen Regierungen unbegrenzt als Sicherheiten für Kredite an deren Banken akzeptiert.

Und warum fand der Aktienmarkt das gut? Vor allem, weil es gut für die Banken und allgemein für die Finanzbranche ist. Die Kurse von Bankaktien stiegen mehr als doppelt so stark wie die der übrigen Werte. Deutsche Bank und Commerzbank legten ab der Pressekonferenz der EZB innerhalb von 24 Stunden um jeweils zehn Prozent zu.

In dieser Hinsicht gibt es keinen Interessenkonflikt zwischen Nordländern und Südländern, zwischen Paris und Frankfurt. In Italien legten auch Unicredit-Aktien und Intesa Sanpaolo um je rund zehn Prozent zu. In Frankreich gewannen BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale zwischen neun und elf Prozent.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Nur die Institute Spaniens, um das es bei der Rettungsaktion eigentlich vor allem gehen soll, fielen dagegen etwas ab. BBVA legten um acht Prozent zu, Banco Santander nur um sechs Prozent.

Man sieht, es gibt eine ausgeprägte Interessenharmonie der Banken über nationale Grenzen hinweg, was die Ausweitung der Geldflutung durch die Europäische Zentralbank angeht. Das ist kein Wunder, ist die Hilfe doch für die Banken - anders als die Hilfe für die Staaten - völlig kostenlos und mit keiner Auflage verbunden. Allenfalls den spanischen Banken könnten ein paar Auflagen drohen, was ihre etwas schwächere Kursentwicklung erklären könnte.

Ansonsten bekommen die Banken fast zum Nulltarif unbegrenzt Kredit mit immer längeren Laufzeiten und gegen immer schlechtere Sicherheiten. Rechnet man die Inflationsrate ein, werden sie sogar dafür bezahlt, dass sie bei der EZB Kredit aufnehmen. Ihre notleidenden Anleihen aus dem Süden dürfen sie zu guten Preisen bei der EZB abladen.

Es gibt von der EZB nur fruchtlose Appelle, aber keinerlei Auflagen, dass sie die Gewinne daraus nicht an ihre Aktionäre und ihr Spitzenpersonal ausschütten sollen. Es gibt auch keine Auflagen, dass sie die Geldflut per Kredit an die produzierende Wirtschaft weiterleiten müssen. Es gibt überhaupt keine Auflagen. Alles funktioniert nach dem Prinzip: Wir müssen die Banken mästen, dann hilft das irgendwann auch der Wirtschaft.

Dass Haftungsrisiken zwischen den Staaten zulasten des Nordens umverteilt werden, ist die Nebenwirkung der Hilfen für die Banken. Die deutschen Steuerzahler haben, anders als die deutschen Banken und Aktionäre, einigen Grund zur Unzufriedenheit.

Kommentare (11)

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sagichdoch

10.09.2012, 17:04 Uhr

Das Fragezeichen in der Überschrift sollte durch ein Ausrufezeichnen ersetzt werden und die Satzstellung entsprechend geändert werden. Ansonsten brauchbare Wörter.

Account gelöscht!

10.09.2012, 17:15 Uhr

"Die deutschen Steuerzahler haben, anders als die deutschen Banken und Aktionäre, einigen Grund zur Unzufriedenheit."

Einigen Grund zur Unzufriedenheit??? Sie sind ja lustig Herr Häring.

Die EZB erklärt den totalen Zweifronten Krieg gegen den deutschen Sparer (Riester, Lebensversicherungen) und Betriebsrenten, und sie reden von Unzufriedenheit?

Ich bin WÜTEND bis RASEND!

Ich bin wütend auf die EZB, die den Euro-Geldwert zum Nachteil der Sparer verdünnen will. Alle diejenigen, die für die Zukunft vorgesorgen, werden enteignet.

Ich bin wütend auf die völlig schwachsinnige Gewichtung der Stimmen zum Nachteil Deutschlands. Im übrigen ein übliches Schema in der EU. Aber wir lieben sie doch alle...

Ich bin wütend auf die Bundesregierung. Die ein Smoke and Mirror Spiel mit der EZB und der Bundesbank spielt. Frau Merkel und Herr Schäuble fallen Herrn Weidmann und der Bundesbank in den Rücken und heissen das EZB-Programm im Hinterzimmer und Ausland für gut.

Ich bin wütend auf den Bundestag, der den ESM und sonstige Eurorettungen einfach so ohne wirkliche Prüfung durchgewinkt hat.

Und ich werde wütend sein auf das Verfassungsgericht, wenn es den ESM mit ein wenig Alibi-Einschränkungen durchwinkt.

So siehts aus Herr Häring.

Account gelöscht!

10.09.2012, 17:29 Uhr

Mal eine Frage...der eine oder andere mag es als lächerlich betiteln was ich jetzt schreibe aber hat mal jemand hier diesen Draghi bei einer Konferenz im TV gesehen und beobachtet? Falls ja....war ich der Einzige dem ein kalter Schauer über den Rücken lief wenn man diesen Mann nur reden hört?

Tut mir leid aber bei dieser Gestalt, seinem Auftreten und dem was er ausstrahlt, würde ich nicht mal Müllsäcke kaufen.

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