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12.01.2007

05:23 Uhr

Stoiber

Er fällt und fällt

VonMaximilian Steinbeis

Das Drama um Edmund Stoiber will kein Ende nehmen. Seit über einem Jahr schaut die Republik seinem Fall mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu zu.

Er fällt und fällt, und immer, wenn man meint, jetzt bleibt er endlich liegen, kippt er über die nächste Kante. So auch in dieser Woche, die mit einer generalstabsmäßig eingefädelten Solidarisierungsaktion der Parteispitze begann, mit dem Ziel, das würdelose Gepurzel endlich zu stoppen. Das hat nicht funktioniert. Jetzt kann Stoiber von Glück sagen, wenn er am nächsten Freitag um diese Zeit noch Ministerpräsident des Freistaats Bayern ist. Mit einem einzigen Satz unterlief Stoiber alle Rettungsbemühungen des Präsidiums. Auf die Frage, ob er 2008 für eine volle Legislaturperiode kandidieren werde, lautete seine Antwort, er mache keine halben Sachen. Das durfte man natürlich nicht wörtlich nehmen. Denn es gilt als ehernes Politikgesetz, sich nie selbst ein Verfallsdatum zu setzen, wenn man noch gewählt werden will. Dennoch kam im ganzen Land als Botschaft an: Wenn es nach Stoiber geht, regiert er bis ins Jahr 2013. Und in der Partei kam an: Wir retten ihm die Haut, und am nächsten Tag gibt er schon wieder den dicken Max. Kein Wunder, dass für Teile der Landtagsfraktion jetzt der Spaß aufhört.

Noch hält das eiskalte Kalkül, das die Parteispitze motiviert, Stoiber zu stützen. Es gibt nach wie vor keinen Nachfolgekandidaten, der stark genug ist, um die absolute Mehrheit zu sichern und um einen Diadochenkrieg zu vermeiden. Im Gegenteil: Das Gewicht des bislang wohl Aussichtsreichsten unter ihnen, Fraktionschef Joachim Herrmann, hat in diesen Tagen kräftig gelitten. Aber die Kraft, in dieser Krise rational zu bleiben, schwindet mit jedem Tag. Noch nie war es für Edmund Stoiber so gefährlich wie jetzt.

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