Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2017

13:12 Uhr

Strafe der EU-Kommission

Ein letzter Warnschuss für Facebook

VonTill Hoppe

Weil Facebook bei der Übernahme von WhatsApp die EU-Kommission täuschte, sind nun 110 Millionen Euro fällig. Die Strafe dürfte der Konzern verschmerzen – aber die Waffen der Datenschützer werden schärfer. Ein Kommentar.

Der US-Konzern hatte der EU gegenüber bei der Anmeldung der Übernahme angegeben, es sei nicht möglich, einen automatischen Abgleich zwischen den eigenen Nutzerprofilen und den Benutzerkonten von WhatsApp vorzunehmen. Reuters

Facebook und WhatsApp

Der US-Konzern hatte der EU gegenüber bei der Anmeldung der Übernahme angegeben, es sei nicht möglich, einen automatischen Abgleich zwischen den eigenen Nutzerprofilen und den Benutzerkonten von WhatsApp vorzunehmen.

BrüsselDas Geschäftsmodell von Facebook ist ganz einfach: Nutzerdaten massenhaft sammeln und diese in maximale Werbeeinnahmen übersetzen. Und das so schnell wie möglich, denn die Konkurrenz im Silicon Valley schläft nie.

Wenn Gesetze und Regeln den Konzern in seinem unerbittlichen Vorwärtsdrang stören, werden sie notfalls eben übertreten. So war es bei der Übernahme des Messenger-Dienstes WhatsApp, den Facebook 2014 für 21 Milliarden Dollar gekauft hatte.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Damals hatte das Management des sozialen Netzwerks gegenüber den EU-Wettbewerbshütern angegeben, die Daten der Nutzerkonten der beiden Dienste nicht automatisch miteinander verknüpfen zu können. Was schon damals nicht stimmte und zwei Jahre später auch umgesetzt wurde, als die Handynummern der WhatsApp-Nutzer ihren Facebook-Profilen zugeordnet wurden.

Die EU-Kommission hat Facebook für die falschen Angaben nun eine Strafe von 110 Millionen Euro aufgebrummt. Den Mitarbeitern des Konzerns sei schon 2014 bekannt gewesen, dass die Verknüpfung technisch möglich sei. Dass Facebook die falschen Angaben als Versehen darstellt, wirkt wenig glaubhaft. Schließlich hatte es diese auf Nachfrage noch einmal wiederholt.

Innovationen bei Facebook

Wie Facebook uns an unser Smartphone knebeln will

Innovationen bei Facebook: Wie Facebook uns an unser Smartphone knebeln will

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Das Unternehmen kann die Strafe finanziell verschmerzen, es hat allein im ersten Quartal dieses Jahres drei Milliarden Dollar Gewinn verbucht. Noch viel weniger beeindrucken dürfte ihn die Zahlung von 150.000 Euro, die die französische Datenschutzbehörde am Dienstag verhängt hatte, weil der Konzern „ohne rechtliche Grundlage“ zur Werbezwecken Informationen über seine Nutzer gesammelt hatte.

Das jüngste konzertierte Vorgehen gegen Facebook zeugt aber von inzwischen hoher Wachsamkeit der Aufseher. Mit den neuen, im kommenden Jahr in Kraft tretenden EU-Regeln bekommen auch die Datenschützer schärfere Schwerter an die Hand: Strafen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes können sie dann für Verstöße verhängen. Regelverstöße könnten Facebook dann so teuer kommen, dass sie nicht länger einfach einkalkuliert werden können.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hofmann Marc

18.05.2017, 14:14 Uhr

Von Facebook habe ich keine Ahnung...was meinst Du Annette?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×