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22.08.2012

21:12 Uhr

Streit der Notenbanken

EZB und Bundesbank verspielen Vertrauen

VonTorsten Riecke

Zwischen Bundesbank und EZB ist ein offener Kulturkampf ausgebrochen. Über die Diskussion um Staatsanleihenkäufe vergessen die Notenbanken aber das Volk: Ohne dessen Vertrauen lässt sich der Euro nicht retten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.

Der Autor

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.

Für die einen ist das Verhältnis der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bundesbank die Geschichte einer Emanzipation. Vom Lehrling über den Partner zum Lehrmeister, der nicht nur das deutsche, sondern das Wohl Europas im Blick hat. Für die anderen ist es die Geschichte des Verrats einst gemeinsamer Prinzipien. Aus den Lehrlingen von damals ist für die „Wacht am Main“ ein Zauberlehrling geworden. Der Schlagabtausch der letzten Tage zwischen den beiden wichtigsten Institutionen der Euro-Zone über Staatsanleihekäufe und Zinsdeckel zeigt – so oder so – die zunehmende Entfremdung zweier sich inzwischen fast feindlich gesinnten Schwestern. Bei der Bundesbank spricht man offen von einem „Kulturkampf“ mit den Kollegen von nebenan.

Die Bundeskanzlerin ist die lächelnde Dritte – noch. Denn noch profitiert Merkel davon, dass sie Bundesbank-Chef Weidmann den Rücken stärkt und zugleich EZB-Chef Draghi für dessen wachsende Rettungsbereitschaft lobt. Mit der Unterstützung Weidmanns hält sie Partei und Volk bei der Fahne, mit dem Lob für die verkappte Staatsfinanzierung Draghis gewinnt sie Zeit, um ihre eigene Entscheidung über das Schicksal des Euros noch ein wenig hinauszuschieben. Doch wie in einer Sanduhr zerrinnt mit jedem Tag, an dem sich EZB und Bundesbank kabbeln, das Vertrauen in den Euro. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass die Deutschen eine Institution und die ihr anvertraute Währung stützen, wenn die Bundesbank als „ihr“ Währungshüter in offener Opposition zur EZB steht.

Deshalb wird auch das Kalkül Merkels nicht aufgehen. Denn ohne Vertrauen in die EZB werden die Deutschen noch weniger bereit sein, der Kanzlerin auf dem Weg in eine Politische Union zu folgen. Warum die eigene Souveränität aufgeben, wenn dafür nicht einmal die Stabilität der Währung gewährleistet ist? Das läuft nicht.

In einem Dilemma steckt aber nicht nur die EZB, die ohne den Vertrauensvorschuss der Deutschen den Euro nicht retten kann. Auch die Bundesbank leistet in ihrer jetzigen Rolle als Gralshüterin einer untergegangenen Währungsordnung kaum einen konstruktiven Beitrag zur Lösung der Krise. Die Währungsordnung von Maastricht gibt es nicht mehr, und sie lässt sich deshalb auch nicht retten. Die von der Bundesbank immer wieder geforderte Rückkehr zur „Nichtbeistands-Klausel“ der Verträge von Maastricht würde nicht reichen, um das tiefe Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber dem Euro zu zerstreuen.

Die Investoren verlangen mehr: entweder eine Solidaritätserklärung, die letztendlich nur in einer Politischen Union machbar ist. Oder aber eine Beschränkung der Euro-Zone auf jene Länder, die finanzpolitisch diszipliniert und wirtschaftlich stark genug sind, um sich an die Spielregeln einer Währungsunion zu halten. Für das eine gibt es keine Mehrheit, das andere bedeutet das Ende des Euros, wie wir ihn kennen.

Kommentare (12)

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Otto

22.08.2012, 22:45 Uhr

Weidmann der einzige mit Anstand. Draghi und vor allem der sehr geehrter Herr Assmussen sollten sich den neuen geplanten Verhaltenscodex für Wirtschaftsprof. zu Herzen nehmen und endlich Vernunft walten lassen und die Gesezte und Richtlinien beachten.

peter

22.08.2012, 22:49 Uhr

merkel ist doch prof. weidmann/bundesbank infam in den rücken gefallen.

die bürger vertrauen nur der bundesbank, da bin ich sicher

die ezb wird doch als betrüger-gelddruck-bank wahrgenommen

Account gelöscht!

22.08.2012, 22:54 Uhr

Wir, hatten nie Vertrauen in die EZB und deren Konstruktion gehabt. Es ist uns leider bis dato nicht aufgefallen was für verherrende Konstruktionsfehler die EZB hat.
Allein der permanente Rechtsbruch der EZB, und die nicht Haftbarkeit, auch bei einer groben fahrlässigen Vorteilsnahme spezieller nationaler Belange durch den EZB Rat führt dazu:
"Denn ohne Vertrauen in die EZB werden die Deutschen noch weniger bereit sein",
den Horror noch weiter mitzutragen.

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