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08.06.2013

09:40 Uhr

SwissFinish

Eine neue Ära für Schweizer Banken

VonHolger Alich

Unser Korrespondent Holger Alich versorgt Sie in seinem neuen Newsletter zum Wochenausklang mit den wichtigsten Neuigkeiten aus der Schweiz. Heute: Chaos-Tage in Bern, ahnungslose Bankenbosse und die Altlasten der UBS.

Holger Alich arbeitet seit August 2011 als Korrespondent in der Schweiz und schreibt vor allem über die Finanzindustrie. Pablo Castagnola

Holger Alich arbeitet seit August 2011 als Korrespondent in der Schweiz und schreibt vor allem über die Finanzindustrie.

Liebe Leserinnen und Leser,
„SwissFinish“ - in der Bankenbranche ist das ein geflügeltes Wort für „mehr als die Mindeststandards“. Ein Anspruch, den ich in meinem gleichnamigen Newsletter gerne als Versprechen an Sie weitergebe. Ab sofort möchte ich mich an dieser Stelle jedes Wochenende in einem Rückblick mit den wichtigsten Ereignissen in der Schweiz auseinandersetzen.

In dieser ersten Ausgabe widme ich mich dem neuen Ärger mit den Altlasten der Schweizer Banken. Diese Altlasten mit Blick auf die USA will die Schweiz bekanntlich nun durch ein Sondergesetz aus dem Weg räumen, das die Medien schon überschriftenfreunlich in „Lex USA“ getauft haben. Worum geht es? Das Gesetz soll den Schweizer Banken die rechtliche Grundlage dafür geben, den USA Mitarbeiter- und Geschäftsdaten wie Abschleicher-Listen zu übermitteln. Und dies wiederum gilt als Voraussetzung dafür, dass die Banken sich beim US-Justizministerium ihre Strafe dafür abholen können, dass sie jahrelang US-Bürgern beim Steuerhinterziehen geholfen haben. 

Jetzt will niemand für das unpopuläre Einknicken gegenüber der Supermacht die Verantwortung übernehmen - in Bern herrschen mal wieder Chaos-Tage. Dabei wird eine wichtige Frage der Verantwortung bisher kaum diskutiert: Wo waren eigentlich die Politiker, die die Kantonalbanken in den Räten beaufsichtigen, als ihre Staatsbanken das Geld von US-Steuersündern annahmen?

Der US-Steuerstreit war auch das beherrschende Thema beim Seminar der Schweizerischen Bankiervereinigung Anfang der Woche. Doch Neues habe ich dort zu dem Thema nicht erfahren - außer, dass selbst Bankenbosse wie Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz keine Ahnung haben, wie die USA die Strafen festlegen werden und was die Banken der US-Steuerstreit letztlich kosten wird. Interessant war dagegen, dass selbst der Bankiervereinigung der früher verhasste automatische Informationsaustausch mittlerweile lieber ist als die neuen Sorgfaltspflichten für Banken, die sich die Regierung ausgedacht hat, um den Finanzplatz endlich „weiß“ zu tünchen. Wenn nicht einmal mehr die Banken das Bankgeheimnis verteidigen, scheint die Schweiz wirklich in einer neuen Ära angekommen zu sein.

Wenn da nicht die Altlasten wären. Bei UBS dürften die Verantwortlichen wohl jeden Tag eine Flasche Champagner köpfen, dass die größte Schweizer Bank ihren Steuerstreit vergleichsweise billig 2009 beilegen konnte. Vier Prozent der fraglichen Kundengelder musste die UBS damals zahlen - jetzt ist von bis zu 40 Prozent die Rede. Doch auch die UBS hat noch mit Altlasten zu kämpfen. In Frankreich hat die Justiz nun auch die Schweizer UBS AG offiziell beschuldigt, unerlaubt reiche Franzosen als Kunden akquiriert zu haben, die ihr Geld in der Schweiz vor dem Fiskus versteckten. Sollte es zum Prozess kommen, droht Peinliches ans Tageslicht zu kommen. Dennoch glaube ich, dass das aktuelle UBS-Führungsduo aus Sergio Ermotti und Axel Weber hier entspannt bleiben kann: Denn die Vorwürfe drehen sich um die Jahre 2002 bis 2007 - da waren beide noch nicht an Bord und profitieren von der Gnade der späten Berufung.

Zu spät ist es dagegen noch nicht, um vom boomenden deutschen Immobilienmarkt zu profitieren. Was uns als Mieter ärgert, erfreut die Investoren: Städte wie Hamburg, Düsseldorf oder München verzeichnen steigende Bevölkerungszahlen und haben ein tendenziell zu geringes Wohnungs-Angebot. Und laut den Regeln der Marktwirtschaft steigen daher die Preise. Wo sich ein Investment noch lohnt, und was bei Immobilienkäufen zu beachten ist, haben anschaulich meine Kollegen Christian Hunziker, Reiner Reichel und Anne Wiktorin zusammen getragen, basierend auf einer Analyse von vdp Research.

Und wenn die Wettervorhersage stimmt, können Sie unsere Wochenendausgabe sogar im heimischen Garten genießen - oder im Stadtpark, wenn Sie sich erst noch reich lesen müssen.

Mit bestem Gruß,

Ihr Holger Alich

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