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31.01.2007

09:12 Uhr

Tata Steel kauft Corus

Kommentar: Hoher Preis

VonDirk Heilmann

Eine Auktion hat ihre eigenen Gesetze – das wissen jetzt auch Tata Steel und CSN. Für einen Preis, den Branchenkenner vor einem halben Jahr nicht für möglich gehalten hätten, sichert sich der kleine, aber ehrgeizige indische Stahlproduzent den zweitgrößten europäischen Hersteller Corus. Vor allem für Corus eine gute Nachricht.

Die Inder hatten die tieferen Taschen, aber sie werden Corus erst langfristig das bieten können, was das britisch-niederländische Unternehmen braucht: Billigen Rohstahl als Vorprodukt. Nicht bieten können sie voraussichtlich den Rohstoff Eisenerz, denn die indische Regierung will die nationalen Vorkommen lieber für die Industrialisierung des eigenen Landes einsetzen.

Die Aktionäre von Corus – und mit ihnen der Vorstand – können ihr Glück vermutlich kaum fassen. Sie haben die Anteile an einem Unternehmen, das vor nicht einmal fünf Jahren am Rande der Pleite stand, für einen fantastischen Preis verkauft. Sollte die Stahlbranche bald in den nächsten zyklischen Abschwung rutschen, wird Corus wegen hoher Produktionskosten in den britischen Werken wieder als einer der ersten Hersteller Probleme bekommen. Doch diesmal wird Tata Steel mögliche Verluste zu tragen haben.

Die Konzentrationswelle im Stahl ist damit nicht zu Ende. Der deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp mag sich vor einer feindlichen Übernahme geschützt haben, doch er wird sich die Frage stellen müssen, ob langfristig ein Alleingang durchzuhalten ist. Die Tendenz geht dahin, dass Rohstahl in Ländern mit niedrigen Lohnkosten und Zugang zu Eisenerz produziert und in Europa und Nordamerika nahe beim Kunden veredelt wird. Die jetzige Übernahme wird den Preisdruck auf europäische Hersteller verstärken.

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