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30.01.2007

05:50 Uhr

Telekom

Peinliche Fehler

VonSandra Louven

Die Deutsche Telekom hat mit der erneuten Reduzierung ihres Gewinnziels vor allem eines geschafft: das Vertrauen der Anleger in die Konzernführung zu zerstören. Vielleicht wollte René Obermann als neuer Chef die Gunst der Stunde nutzen, um seinem Vorgänger die Last der schlechten Zahlen in die Schuhe zu schieben.

Doch dann wäre dieser Versuch misslungen: Schließlich hat der Mobilfunk, den Obermann bis zu seiner Berufung an die Konzernspitze leitete, in Deutschland noch stärkere Umsatzeinbußen zu verzeichnen als die ohnehin kriselnde Festnetzsparte. Acht Prozent verlor der Bereich Mobilfunk im vierten Quartal. Die Verantwortung dafür trägt Obermann, nicht Ricke. Mit Blick auf das Festnetz weist die Telekom zwar darauf hin, dass sie seit September 3,6 Millionen Komplettpakete verkauft habe, die aus Telefon- und Internetanschluss sowie Fernsehen bestehen. Diese Bündel konnten aber weder den Exodus der Telefonkunden stoppen, noch haben sie dem Umsatz geholfen. Dieser blieb 2006 unter den Erwartungen. Auch hier ging die Rechnung nicht auf: Der Konzern hoffte, dass das Angebot von Komplettpaketen die Kunden veranlassen würde, für denselben Preis mehr zu abonnieren, also etwa auf einen schnelleren DSL-Anschluss umzusteigen. Offenbar haben die Nutzer aber nur die Rabatte genutzt, was den Umsatz schmälerte.

Eine dreimalige Korrektur der eigenen Prognosen innerhalb von gut einem Jahr ist ein Armutszeugnis. Angefangen hat das Trauerspiel im November 2005, als der damalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke die Prognosen für 2006 nach unten revidierte. Ähnlich wie jetzt Obermann begründete er den Schritt damit, dass mehr Investitionen im deutschen Markt erforderlich seien. Aber 2007 wollte er die Früchte dieser Anstrengung ernten: Er stellte einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von bis zu 22,2 Milliarden Euro in Aussicht. Daraus wurde nichts. Neun Monate später korrigierte Ricke seine eigenen Erwartungen nach unten. Und jetzt legt Obermann noch einmal nach: Der Gewinn soll in diesem Jahr um gut drei Milliarden geringer ausfallen als noch vor einem Jahr prognostiziert.

Die Begründungen für die Revisionen sind immer dieselben. Und immer gleich peinlich. Man habe die Entwicklung des Marktes falsch eingeschätzt und müsse verstärkt investieren, um im harten deutschen Wettbewerb bestehen zu können, klingt es unisono bei Ricke wie Obermann. Angesichts solcher Eingeständnisse muss man sich fragen, ob die Führung der Deutschen Telekom ihr Geschäft versteht. Kein anderer Konkurrent in der Branche zeigt sich von den Folgen des Wettbewerbs derart überrascht. Dafür gibt es nur zwei Erklärungen: Entweder hat Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick tatsächlich den Überblick über seine Zahlen verloren. Oder er schenkt den T-Aktionären keinen reinen Wein ein, gibt die Wahrheit nur scheibchenweise zu. Beide Varianten sind beunruhigend. Für die T-Aktionäre ist inzwischen nur eines gewiss: Sie können den Zahlen der Telekom-Vorstände keinen Glauben mehr schenken. Gleichgültig, welche Einschätzung Eick den Finanzmärkten demnächst für 2008 liefert, sein Wort verliert an Gewicht. Denn er war auch unter Ricke Finanzchef und muss die Verantwortung für den Zahlensalat übernehmen. Auch das konterkariert Obermanns Versuch, bei seinem Start reinen Tisch zu machen.

Dafür, dass die erneute Reduzierung des Gewinnziels gerade jetzt offenbart wurde, sprechen zwei Dinge: Zum einen will Obermann bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen Anfang März die Aufmerksamkeit vermutlich auf etwas anderes als den tristen Ausblick lenken: Der Telekom-Chef entwickelt derzeit eine neue Strategie für den Konzern, über die der Aufsichtsrat Ende Februar entscheidet. Das heißt, Obermann kann die geballte Medienpräsenz bei den Jahreszahlen nutzen, um seine Pläne vorzustellen. Da bietet sich an, den Auftritt nicht durch schlechte Zahlen verhageln zu lassen. Zweitens eignet sich eine Krisenstimmung auch für die nun anstehenden Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi. Dieser will Obermann weit reichende Zugeständnisse bei der Ausgliederung von Unternehmenseinheiten abringen. So will er Rickes Plan fortschreiben und 35 000 Techniker und Servicemitarbeiter der Festnetzsparte T-Com in eine neue Einheit namens T-Service ausgliedern. Weitere 10 000 Call-Center-Stellen sollen ebenfalls in einem eigenen Bereich organisiert werden. In den neuen Bereichen sollen sich die Gehälter „am Marktniveau“ ausrichten, das heute 30 bis 50 Prozent unter den Sätzen der Telekom liegt. Die Gewerkschaft hat bislang laut gegen diese Pläne protestiert. Möglicherweise ist sie auf Grund trüber Aussichten ja eher zum Kompromiss bereit.

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