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21.06.2017

11:40 Uhr

Travis Kalanick tritt zurück

Die Uber-Revolution frisst ihren Vater

VonLukas Bay

Statt einer Auszeit wählt Uber-Chef Travis Kalanick nun den kompletten Rückzug. Wichtige Investoren haben revoltiert – sie trauten dem umstrittenen Gründer des Mobilitätsdienstes die Wende nicht mehr zu. Ein Kommentar.

Massiver Druck der Investoren

Uber-Chef Kalanick räumt seinen Posten

Massiver Druck der Investoren: Uber-Chef Kalanick räumt seinen Posten

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Am Ende war es nicht weniger als eine Palastrevolte, die Uber-Chef Travis Kalanick zum Rücktritt zwang. In einem Brandbrief forderten fünf wichtige Investoren des Mobilitätsdienstes den vollständigen Rücktritt des Chefs, berichtet die „New York Times“. Anführer der Revolte soll die Investmentfirma Benchmark gewesen sein, die mit Bill Gurley selbst im Aufsichtsrat vertreten ist. Gemeinsam halten die Investoren 25 Prozent der Anteile, aber 40 Prozent der Stimmrechte. Macht, der sich der Gründer am Ende beugen musste. Statt eine kurzfristige Auszeit zu nehmen tritt er nun als Chef zurück – bleibt aber im Uber-Vorstand erhalten.

Sein Rückzug ist der Höhepunkt einer Reihe von Skandalen, die das wertvollste nicht börsennotierte Start-up im Silicon Valley seit Monaten erschüttern. Alles begann im Februar mit Sexismus-Vorwürfen einer Ex-Mitarbeiterin. Dann klagte die Google-Mutter Alphabet gegen einen angeblichen Ideenklau von Uber bei Technologien für das autonome Fahren. 20 wichtige Führungskräfte mussten gehen – während allein im vergangenen Quartal Verluste von 708 Millionen Dollar aufliefen. Ergebnisse, nach denen die Sorgenfalten der Investoren zuletzt spürbar gewachsen waren.

Nach den jüngsten Skandalen fürchten die Investoren eine Abwertung. Denn noch wird Uber mit rund 69 Milliarden Dollar bewertet. Seit 2009 hat das Unternehmen in seinen Finanzierungsrunden fast elf Milliarden Dollar eingesammelt. Dahinter steht die Hoffnung, dass Uber künftig die führende Vermittlungsplattform der Mobilität werden könnte.

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Zu der illustren Runde der 81 Investoren gehören der japanische Autoriese Toyota, die US-Großbank Goldman Sachs und der saudi-arabische Staatsfonds. Auch Prominente wie Amazon-Gründer Jeff Bezos oder Rapper Jay-Z sind an Uber beteiligt. Zuletzt soll auch das deutsche Medienunternehmen Axel Springer eingestiegen sein.

Am Ende trauten die Investoren dem Uber-Chef nicht mehr zu, die Probleme zu lösen. Denn immer wieder kamen Zweifel aus, ob Kalanick wirklich die charakterlichen Eigenschaften für die Führung einer Milliardenunternehmens hat. Der Chef, der sich selbst gerne als „Nerd“ bezeichnete, fiel immer wieder durch verbale Ausfälle auf. Zuletzt kursierte ein Video, in dem Kalanick sich nach einer Fahrt einen Schlagabtausch mit einem Uber-Fahrer lieferte. Immer wieder beschweren sich Fahrer über die schlechten Verdienste.

Und auch nach innen wurde Kalanicks Führungsstil immer wieder in Frage gestellt. Zu zentralistisch habe er das globale Unternehmen geführt, kritisieren ehemalige Mitarbeiter. Wo andere Gründer wie Tesla-Chef Elon Musk ihre Mitarbeiter mit ihrer Vision v antrieben, setzte Kalanick auf Befehl und Gehorsam. Zuletzt heuerte er Harvard-Professorin Frances Frei als Strategiechefin an, um das aufgeheizte Betriebsklima abzukühlen. Den Investoren reichte das offenbar nicht.

Wer Kalanick nachfolgt, soll nach dem Willen der revoltierenden Investoren der Aufsichtsrat bestimmen. Manches spricht für eine externe Lösung. Denn viele interne Kandidaten, die eine Chance auf die Nachfolge gehabt hätten, haben das Unternehmen in den vergangenen Wochen verlassen. Der Posten des Finanzchefs ist nach wie vor vakant.

Seinen Einfluss wird Kalanick auch nach dem Rückzug nicht komplett verlieren. Nach seinem Rückzug hält er immer noch die Mehrheit der Stimmrechte an Uber.

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