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18.04.2012

12:36 Uhr

Umfragen

Sozialist drängt in den Elysée-Palast

VonThomas Hanke

Der sozialistische Kandidat gibt sich staatstragend: In den Umfragen liegt Hollande klar vor Präsident Sarkozy. Vom populären Linksaußen Mélenchon droht keine Gefahr, auch wenn dieser seine Fans mächtig in Fahrt bringt.

Der Elysee Palast - Amtssitz des französischen Präsidenten. ap

Der Elysee Palast - Amtssitz des französischen Präsidenten.

Wenige Tage vor dem ersten Wahlgang geben manche französischen Medien nur noch wenig auf einen erneuten Erfolg des amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy. Sie spekulieren bereits darüber, wie dessen sozialistischer Nachfolger François Hollande seine Regierung zusammensetzen könnte. Der wiederholt hartnäckig, dass noch nichts entschieden sei, und vermeidet jeden Anschein von Übermut. Doch seine Gefolgschaft kämpft schon um die besten Startpositionen für einen Ministerposten.

Hollandes Zurückhaltung ist mehr als nur Attitüde. Er weiß, dass ein unerwartetes Ereignis alle Berechnungen der Demoskopen über den Haufen werfen kann - so wie im März die Terroranschläge in Toulouse kurzfristig den Wahlkampf und das Kalkül der Parteistrategen ausgehebelt hatten.

Bleibt eine nationale oder außenpolitische Krise allerdings aus, wird es für Sarkozy sehr schwer, das Rennen noch für sich zu entscheiden: So eifrig er auch seine Vorschläge multipliziert, so hektisch er die Schwerpunkte wechselt, von der Wettbewerbsfähigkeit über Einwanderung zum Protektionismus und jüngst sogar zum leichteren Erwerb des Führerscheins - er macht den klaren Rückstand auf Hollande in den Umfragen zum zweiten Wahlgang nicht wett.

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Die Franzosen lieben den Sozialisten François Hollande mehr als ihren Präsidenten Sarkozy. Er könnte nach der Wahl der neue starke Mann an Deutschlands Seite sein. Die Achse Paris-Berlin muss dann einiges aushalten.

Der kämpft derzeit mit einem Luxusproblem, dem unerwarteten Vorpreschen des Linksaußen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon. Der vom unauffälligen Senator zum dröhnenden Volkstribun gewandelte Ex-Sozialist könnte im ersten Wahlgang mehr Stimmen auf sich vereinen, als es in früheren Wahlen andere linksradikale Kandidaten schafften. Er wird aber keinesfalls verhindern, dass Hollande in die Stichwahl kommt. Und im zweiten Wahlgang werden Mélenchons Wähler in der übergroßen Mehrzahl für den Sozialisten stimmen.

Die guten Aussichten für Mélenchon - in manchen Umfragen liegt er sogar vor der rechtsradikalen Marine Le Pen auf dem dritten Platz - zeigen aber, wie gut Mélenchons scharfe rote Paprika einem Teil der französischen Linkswähler schmeckt, denen Hollande viel zu fade ist.

Kommentare (2)

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holzweg

16.04.2012, 14:37 Uhr

Sollte Hollande gewinnen, muss er dieses politisch-wirtschaftliche Analphabetentum zurückdrängen und Frankreich wieder Selbstvertrauen geben.

Das ist jetzt schon eine ziemlich krasse Ausage, vor allen Dingen, wenn man die Diskussion in F verfolgt, wo man nämlich wesentlich detaillierter über die Rolle der Banken diskutiert, ebenso über die möglichen Ursachen, jenseits der Banken. Und wer hier behauptet, dass F kein Selbstvertrauen hat, ist doch auch leicht auf dem Holzweg.

Scratchpatch

21.04.2012, 08:53 Uhr

Bisher haben die zur Panik neigenden "Märkte" die Schuldenkrise eher verschärft. In diesem Fall werden die nervösen "Märkte" vielleicht etwas zur Lösung beitragen, indem sie Frankreich mit höheren Zinsen dazu zwingen, die Realität nicht zu leugnen. Bereits im Vorfeld der Wahlen gibt es Anzeichen dafür. Andererseits kann das um so mehr ein Anreiz für Hollande sein, Eurobonds, pardon, Projektbonds zu fordern. Mal sehen, ob Merkel hart bleibt.

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