Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2008

04:39 Uhr

Showtime in Detroit. Zumindest für die nächsten Tage wird die US-Autometropole wieder der Nabel der Autowelt sein. Die North American International Auto Show am Detroit River gehört noch immer zu den wichtigsten Branchentreffs – auch wenn sich dieses Jahr nicht alle Hersteller blicken lassen. Zu entscheidend ist nach wie vor die Bedeutung der Vereinigten Staaten für die Autoindustrie.

Immer noch ist der zuletzt schrumpfende Automarkt in den USA mit etwa 16,1 Millionen Neuzulassungen der größte der Welt. Nicht nur für die strauchelnden US-Riesen, auch für zahlreiche große ausländische Autokonzerne hat die Entwicklung auf dem US-Automarkt eine entscheidende Bedeutung: So sind die Vereinigten Staaten für Toyota, Porsche und BMW längst zum wichtigsten Einzelmarkt der Welt geworden.

Die Krisenzeichen auf dem US-Markt mehren sich indes. Die Immobilienkrise und eine wachsende Angst vor einer Rezession in den USA haben den US-Markt bereits 2007 deutlich auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren schrumpfen lassen. Viele Experten rechnen dieses Jahr mit einem weiteren Einbruch.

Dennoch ist von Nervosität vor dem Branchentreff unter den Managern deutscher und japanischer Autobauer wenig zu verspüren. Und dafür gibt es einen guten Grund: Der Niedergang des US-Automarktes ist bisher in erster Linie ein Niedergang der US-Hersteller. Die Big Three, also General Motors, Chrysler und Ford, erlebten 2007 ein weiteres schwarzes Jahr auf dem wichtigen Heimatmarkt. Japaner und Europäer dagegen konnten erneut auf dem schrumpfenden Markt zulegen.

Eine Entwicklung, die sich weiter fortsetzen dürfte. Denn die ausländischen Hersteller profitieren von Markttrends in den USA, die ihnen auch 2008 Rückenwind geben sollten. Erstens: Spritschluckende Geländewagen und Kleinlaster, die letzte Domäne der US-Hersteller, bleiben immer häufiger auf den Höfen der Händler stehen, seit die Hausneubauten zurückgehen und Benzin an der Tankstelle mehr als drei Dollar pro Gallone kostet. Zweitens: Angesichts steigender Spritpreise steigt das

Umweltbewusstsein der PS-verliebten Amerikaner, was Kleinwagen und sparsamere Modelle attraktiver macht. Die kommen aber in der Regel nicht von den US-Anbietern, sondern von der ausländischen Konkurrenz – und im Zweifelsfall aus Japan. Die Position japanischer und europäischer Autobauer ist daher kaum zu vergleichen.

Die Asiaten bringen es in den USA auf einen Marktanteil von über 40 Prozent und fahren auf Augenhöhe mit den US-Riesen. Die Europäer bewegen sich dagegen nur im Mittelfeld und profitieren vor allem von ihrer starken Position im Premiumsegment, wo sie 41 Prozent Marktanteil in den USA haben. Platzhirsch unter den Luxuskarossen ist aber kein Europäer, sondern die Toyota-Nobeltochter Lexus. Ein Ruhekissen ist die komfortable Position im margenstarken Premiumbereich für die Europäer deshalb keineswegs.

Von der Marktstärke der Asiaten, vor allem des japanischen Autobauers Toyota, sind sie weit entfernt. Die Europäer, die in den USA vor allem von den deutschen Herstellern repräsentiert werden, sind bis heute wesentlich angreifbarer in den USA als die Asiaten – insbesondere was das Währungsrisiko eines schwachen Dollars angeht. Denn während die Japaner wegen zahlreicher US-Werke und eines schwachen Yens vom schwachen Greenback kaum etwas spüren, verhagelt der starke Euro den deutschen Autobauern zunehmend das US-Geschäft.

Ein deutlicher Ausbau des US-Marktanteils, wie ihn beispielsweise VW sich vorgenommen hat, ist deshalb ohne eigenes Werk in den USA kaum zu bewerkstelligen. Bei der bevorstehenden Entscheidung über die US-Fertigung dürfte es also nicht mehr darum gehen, ob sie kommt, sondern nur noch wann. Denn wie kaum ein anderer Hersteller setzen die Wolfsburger in den USA auf Angriff. Eine Million Fahrzeuge will VW-Chef Martin Winterkorn bis 2015 dort verkaufen, davon allein 800 000 der Marke VW. Es wäre knapp eine Vervierfachung des heutigen Absatzes – und ein gewaltiger Sprung für die europäischen Autobauer auf dem US-Markt.

Doch niemand sollte sich Illusionen machen. Das Kräfteverhältnis auf dem US-Markt wird selbst eine erfolgreiche Offensive von VW nicht grundlegend verschieben. Volkswagen würde selbst dann noch immer kaum die Hälfte dessen in den USA verkaufen, was Toyota bereits heute dort absetzt. Der neue weltgrößte Autobauer aus Japan ist bereits die neue Nummer zwei in den USA – und auf dem Weg, die kriselnde GM auch dort von der Spitze zu vertreiben.

Nichts ist unmöglich, besagt ein alter Slogan von Toyota. Dennoch: Toyota wird auch in den nächsten Jahren nicht nur in den USA das Maß aller Dinge bleiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×