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12.01.2004

07:00 Uhr

US-Wahlkampf

Rückschlag für Bush

VonTobias Moerschen

Mitte der Woche will George W. Bush eine „visionäre“ Rede zur bemannten Raumfahrt halten. Egal, was man von dem prohibitiv kostspieligen Mars- und Mond-Projekt hält: Anders als ein taktischer Zug im Wahlkampf ist der Vorstoß nicht zu sehen.

US-Präsident George W. Bush betont derzeit in fast jeder öffentlichen Rede, er sei keineswegs schon voll in den Wahlkampf eingestiegen. „Ich lockere mich auf, mache mich fit. Aber es bleibt noch jede Menge Zeit für Politik, weil ich einen Job im Namen jedes einzelnen Bürgers dieses Landes zu erledigen habe“ – so lautet die Standardfloskel.

Doch die Realität sieht anders aus. Mitte der Woche will Bush eine „visionäre“ Rede zur bemannten Raumfahrt halten. Egal, was man von dem prohibitiv kostspieligen Mars- und Mond-Projekt hält: Anders als ein taktischer Zug im Wahlkampf ist der Vorstoß nicht zu sehen. Der Präsident weiß, dass er trotz seines gewaltigen Vorsprungs in den Meinungsumfragen eine offene Flanke hat: den Irak-Konflikt.

Ausgerechnet in diese Schwachstelle stößt nun sein einstiger Finanzminister Paul O’Neill. In einem Fernsehinterview, das gestern Abend amerikanischer Zeit ausgestrahlt werden sollte, warf O’Neill dem US-Präsidenten vor, er habe schon wenige Tage nach seinem Amtsantritt mit den Vorbereitungen für den Irak-Krieg begonnen. Das war lange vor den Terroranschlägen am 11. September 2001. In einem neuen Buch, das am Dienstag erscheint, beschreibt der entlassene Finanzminister den Präsidenten zudem als desinteressiert und als schlechten Zuhörer.

Gewiss, O’Neill ist nach seinem Rauswurf durch Bush alles andere als ein objektiver Beobachter. Doch seine Attacke reiht sich ein in die Vielzahl jüngster Angriffe gegen Bushs Außenpolitik. Am heutigen Montag präsentiert der Milliardär und Börsenspekulant George Soros seine Generalabrechnung mit Bush: „Den Missbrauch amerikanischer Macht korrigieren“. Die renommierte, eher linksgerichtete Carnegie-Stiftung präsentierte Ende vergangener Woche eine Studie, wonach die US-Regierung systematisch Geheimdienstinformationen über irakische Massenvernichtungswaffen und über Saddam Husseins mögliche Kontakte zu El-Kaida-Terroristen verzerrte.

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