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05.01.2007

05:36 Uhr

USA

Heilsamer Karriere-Knick

VonGeorg Watzlawek

Knapp zwei Jahre lang durfte er George W. Bush jeden Morgen die Welt erklären. Auf dieses Privileg und das Amt des US-Geheimdienstkoordinators verzichtet John Negroponte jetzt, um stellvertretender Außenminister seines Landes zu werden.

Ein seltener Karriere-Rückschritt, der sich aber für alle Seiten als segensreich herausstellen könnte. Negroponte ist Karrierediplomat und hat sein handfestes politisches Geschick zuletzt als US-Botschafter im Irak erprobt. Damit erschien er Bush als geeigneter Mann, um den Wirrwarr zwischen den 16 Geheimdiensten des Landes lichten zu können. Als neuer Geheimdienst-Zar mit weit reichenden Kompetenzen sollte er die eklatanten Sicherheitslücken beseitigen, die mit den Terrorangriffen vom 11. September 2001 offensichtlich geworden waren.

Doch so durchsetzungsstark Negroponte auch sein mag, an dieser bürokratischen Mammutaufgabe scheiterte der 67-Jährige. Nicht nur die Geheimdienste selbst, auch beide Lager im Kongress waren mit seiner Arbeit unzufrieden. Nun kümmert sich Negroponte wieder um Dinge, mit denen er sich auskennt – und wo seine Hilfe dringend benötigt wird. Als Vertreter von Condoleezza Rice und im Gespann mit dem neuen Verteidigungsminister Robert Gates soll Negroponte eine neue Irak-Strategie erarbeiten und umsetzen. Eine Aufgabe, an der Ex-Pentagon-Chef Donald Rumsfeld gescheitert war und mit der die zuletzt so auffällig unauffällig agierende Rice ganz offensichtlich überfordert ist.

Die Koordination der US-Spionage soll wieder ein erfahrener Geheimdienstler übernehmen. Damit kehren die Schuster an ihre Leisten zurück – und Washingtons Außenpolitik könnte wieder ein Stück realistischer werden.

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