Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2007

05:26 Uhr

Volkswagen

Moralischer Sieger

VonJosef Hofmann

Rein finanziell war die VW-Affäre für den Wolfsburger Konzern bereits abgearbeitet, bevor der ehemalige Personalchef Peter Hartz vor den Richter treten musste.

Der Schaden, der dem Autohersteller durch die Machenschaften einer kleinen Gruppe von Managern und Betriebsräten entstanden ist, hat die Versicherung für Führungskräfte erstattet. Diese wird nun versuchen, sich bei Hartz schadlos zu halten. Gleichwohl wird die Affäre den Konzern noch lange verfolgen. Denn im weiteren Verlauf dieses Jahres müssen noch weitere Protagonisten der Affäre, von Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert über Ex-Skoda-Manager Helmuth Schuster bis zu Ex-Manager Klaus-Joachim Gebauer, vor dem Kadi erscheinen. Im Unterschied zu Hartz, der seine Loyalität zu seinem ehemaligen Arbeitgeber nie komplett aufgegeben und sich bis zuletzt vor seinen damaligen Vorstandschef Ferdinand Piëch gestellt hat, werden die künftigen Angeklagten eher geneigt sein, sich gegenseitig mit Schmutz zu bewerfen und VW zu beschädigen.

Das allgemeine Kopfschütteln über eine Clique, die sich ohne Unrechtsbewusstsein gegenseitig Vergünstigungen zuschusterte, wird nicht enden. Dass sich Volkert, Schuster und Gebauer derart in Sicherheit wiegen konnten, dass sie mutmaßlich sogar Scheinfirmen gründeten, um den eigenen Arbeitgeber auszuplündern, offenbart die Perversität des Ganzen. VW wird noch lange in den Negativschlagzeilen sein. Stellt sich die Frage, was der Konzern davon hatte, die Affäre an die große Glocke zu hängen, statt sie im Stillen abzuarbeiten. Gegenwärtig ist noch kein wahrer Profit aus dieser Strategie zu erkennen. Sicher war es aus moralischer Sicht wichtig und richtig. Aber für Moral allein kann man sich nichts kaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×