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05.01.2007

05:51 Uhr

Vorruhestand

Zwei Rentnerklassen

VonKarl Doemens

Gestern die BASF-Arbeiter mit Altersteilzeitvereinbarung, heute der Dresdner-Bank-Angestellte mit komfortablem Vorruhestandspaket. Man fragt sich, wen die große Koalition als Nächstes von der geplanten Anhebung der Altersgrenzen ausnehmen will.

Eigentlich sollte das politische Signal lauten: In einer älter werdenden Gesellschaft müssen alle länger arbeiten. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber ihre fatale Frühverrentungspraxis der Vergangenheit noch beschleunigen. Doch so absurd die exzessive Stichtagsregelung im vergangenen Jahr war, die zur Flucht vor der Rente mit 67 geradezu herausforderte, so differenziert stellt sich die konkrete Situation der Betroffenen dar. Ein Arbeitnehmer, der vor zwei oder drei Jahren im Vertrauen auf geltendes Recht mit seinem Betrieb vereinbarte, dass er mit 62 ohne Altersteilzeit den Schreibtisch räumt, gerät durch die Rentenreform wirklich in Bedrängnis. Besteht der Betrieb auf der Vereinbarung, rutscht er künftig für ein Jahr in die Arbeitslosigkeit, bevor er ab 63 das gesetzliche Ruhegeld beziehen kann.

Dass die Regierung für diese Vorruhestandsfälle keinen Vertrauensschutz vorsah, wohl aber für Altersteilzeitverträge, die viel später vereinbart wurden, ist schwer einzusehen. Dort, wo es keinen Missbrauch geben kann, sollte sie daher den früheren Rentenzugang ermöglichen. Keinerlei Rechtfertigung gibt es aber für den geplanten Vertrauensschutz bei den Rentenabschlägen. Wer früher in den Ruhestand wechselt, der muss künftig entsprechend weniger herausbekommen, wenn seine Kollegen länger arbeiten müssen. Doch daran traut sich die Bundesregierung nicht heran. So schafft sie aus vermeintlich guter Absicht Rentner erster und zweiter Klasse.

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