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18.01.2007

05:34 Uhr

VW-Affäre

Hartz ganz unten

VonJosef Hofmann

Es hätte für den einstigen VW-Personalvorstand und Regierungsberater Peter Hartz sehr unappetitlich werden können. Doch es kam ganz anders: Statt Aufsehen erregender Aussagen kesser Freudenmädchen werden in dem Prozess gegen den 65-Jährigen nüchterne Vernehmungsprotokolle verlesen.

Hartz muss sich nach Lesart seines Verteidigers nicht wegen seiner persönlichen Verfehlungen und Vergehen vor Gericht verantworten, sondern weil er die strafrechtliche Verantwortung dafür übernimmt, dass sich einige Betriebsräte bei VW ungeniert aus den Konzernkassen bedienen durften. Relativ unspannend wäre der Prozess, wären die delikaten Details über Lustreisen, Millionenboni und mit VW-Geld bezahlte Geschenke für Prostituierte wie Ehefrauen nicht genüsslich in der Öffentlichkeit breit getreten worden. Genauso wenig spannend wird auch die Urteilsfindung ausfallen. Durch sein Geständnis konnte Hartz einen Deal aushandeln, an dessen Ende eine Bewährungsstrafe stehen wird.

Dass dieses Strafmaß von vielen als zu niedrig erachtet wird, hängt weniger mit dem wirtschaftlichen Schaden zusammen, den die Machenschaften verursachten. Es ist die Persönlichkeit von Hartz, die polarisiert. Bei Sozialdemokraten wurde Hartz über Jahre als eine Art Messias gefeiert, der dem Kapitalismus die Grenzen aufzeigt. Für Konservative war er schlicht eine Reizfigur. Dies vor allem deshalb, weil er jeden, der seine Theorien in Frage stellte, mit arroganter Ignoranz strafte. Wichtiger als die Diskussion über das Strafmaß ist aber, dass Hartz den Gerichtssaal als verurteilter Straftäter verlassen wird. Das müsste Abschreckung genug sein. Nach seinem kometenhaften Aufstieg ist er nun ganz unten angekommen.

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