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08.01.2012

19:57 Uhr

Weltordnung

China wird noch mächtiger werden

VonFrank Sieren

In China kriselt es an allen Ecken und Enden, wie westliche Medien gerne berichten. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen: Das Land ist viel stabiler, als wir glauben. Ein Kommentar.

Bestseller-Autor Frank Sieren gilt als führender China-Kenner. picture-alliance / dpa

Bestseller-Autor Frank Sieren gilt als führender China-Kenner.

Wir vergessen allzu schnell: Wie erleichtert waren die westlichen Analysten, als China im November 2008 nach Ausbruch der Finanzkrise als erstes Land vor dem G20-Gipfel mit einem gewaltigen Konjunkturprogramm reagierte. Obwohl dann in den ersten Wochen des Jahres 2009 über 20 Millionen chinesische Wanderarbeiter ihre Fabrikjobs verloren, ließ China als erstes Land die Krise hinter sich. Wir im Westen standen am Ende viel schlechter da. Auch im vergangenen Jahr blieb China trotz aller Schwierigkeiten von den globalen Turbulenzen weitgehend verschont.

Doch inzwischen füllen sich die chinesischen Auftragsbücher wieder langsamer. Die Inflation ist hoch. Und fast täglich werden aus China Demonstrationen oder Verhaftungen von Dissidenten gemeldet. Ein altes Bild stellt sich bei uns wieder ein: China am Abgrund.

Dahinter verbirgt sich bei manchen im Westen ein eigenartiger Wunsch: Wenn es uns schlechtgeht, darf es China nicht besser gehen. Andere wiederum wollen auf jeden Fall zu den Ersten gehören, die die Krisensymptome für den großen Knall erkannt haben.

Während sie diesen Befürchtungen nachhängen, kann China in Ruhe an Einfluss gewinnen. Denn, was schlimm klingt, muss gar nicht so schlimm sein: Demonstrationen bedeuten nicht unbedingt, dass der Druck im Kessel weiter steigt. Sie zeugen auch von mehr Pluralität und bieten ein Ventil für den aufgestauten Frust.

Dass immer mehr Dissidenten eingesperrt werden, ist sicher kein gutes Zeichen. Es bedeutet jedoch nicht, dass ihr Widerstand mit Sicherheit eine nationale Protestbewegung entzündet hätte. Ist die Führung nervös, muss China deswegen aber nicht zwangsläufig am Abgrund stehen. Es ist wie mit Jugendlichen auf Spritztour in Vaters Auto: Wenn sie es mit der Angst bekommen, weil sie eine Kurve zu schnell genommen haben, bedeutet das nicht zwingend, dass der Wagen tatsächlich kurz davor war, aus der Kurve zu fliegen.

Auch wenn der Westen vorübergehend viel weniger in China einkauft, bringt dies eben nicht zwangsläufig den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. Und die zwanzig Prozent Einbruch an den chinesischen Börsen im vergangenen Jahr sagen so wenig über die Stabilität des Landes wie die steigenden Aktienkurse von Apple und McDonald’s über die Stärke der US-Wirtschaft.

China kann sich zwar nicht von der Weltwirtschaft abkoppeln. Doch warum sollte Peking künftige Krisen nicht besser meistern? Das Konjunkturpaket von 2008 war für die Regierung wie ein Bungee-Sprung von einer Brücke, ohne zu wissen, wie lang ihr Seil ist. Alles war fraglich. Wie viel Geld sollten sie investieren? Wie viel Inflation löst das aus? Wie werden sich die Wanderarbeiter verhalten? Wie schnell kommt das Geld in der Wirtschaft an? Wann muss man die Kreditbremse treten?

Kommentare (5)

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Bruder-Helmut

08.01.2012, 20:22 Uhr

Ja, die Angelsachsen verschwinden mehr und mehr
und an ihre Stelle kommt die d-rus-cn Achse.

D/F als Ingenieure
Rus als Rohstofflieferant
CN die Werkbank

Thomas-Melber-Stuttgart

08.01.2012, 20:26 Uhr

Man sollte aber auch die Probleme nicht verkennen: stark alternde Gesellschaft, dabei keine sozialen Sicherungssysteme, Landflucht, Infrastrukturprobleme, schwindende preisliche Wettbewerbsfähigkeit, u.v.a.

Dummschule.Deutschland

08.01.2012, 21:15 Uhr

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So ungefähr muß man sich eine vollendete Welt vorstellen.
Im Kopf D/F, arme und Beine sind Cn und der Bauch ist Rus.

Was eine Harmonie.
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