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21.01.2008

11:09 Uhr

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Bei der Lösung der Probleme bei der WestLB ließ er viel Zeit ungenutzt verstreichen. Foto: dpa dpa

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Bei der Lösung der Probleme bei der WestLB ließ er viel Zeit ungenutzt verstreichen. Foto: dpa

So viel Chuzpe muss man erst einmal haben. Da stellte sich NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vergangene Woche vor die Mikrofone, um mit dem Finger auf den vermeintlichen Brandstifter Nokia in Bochum zu zeigen. Während der Landesvater im Finnen-Bashing zu rhetorischer Höchstform auflief, brannte hinter ihm die eigene Hütte schon lichterloh. Denn bei der WestLB stehen jetzt Hunderte Jobs auf der Kippe, und hier trägt die Landesregierung als gewichtiger Eigentümer ein gerüttelt Maß an direkter Mitverantwortung. Zwar wird Rüttgers noch eine Weile auf der Handy-Welle medial surfen können, aber das WestLB-Debakel wird ihn in den kommenden Wochen gnadenlos einholen.

Dann wird man sich schon in Erinnerung rufen müssen, warum sich die Landesregierung im vergangenen Jahr so viel Zeit gelassen hat mit der Suche nach einer tragfähigen Zukunftslösung für die WestLB. Monatelang pokerten die Sparkassen und die Staatskanzlei um Macht und Einfluss beim Düsseldorfer Kreditinstitut, während sich die wirtschaftliche Lage der Bank von Tag zu Tag verschlechterte. Zwar errang Rüttgers am Ende die Oberhand und konnte mit Ex-Europaminister Michael Breuer wichtige Schlüsselpositionen bei den Sparkassen und der WestLB besetzen. Aber für die verlorene Zeit präsentieren die Kapitalmärkte jetzt die Rechnung. Zwei Milliarden Euro müssen die Eigentümer in die Bank pumpen, die Bewertungsverluste gehen ebenfalls in den Milliardenbereich.

Sollte Amtskollege Roland Koch die Wahl verlieren, dürfte auch die lauwarm angestrebte Fusion mit der Landesbank Hessen-Thüringen im Sande verlaufen. Für die strategischen Fehler werden dann am Ende die Beschäftigten mit ihren Jobs bezahlen müssen. Mal abwarten, mit welchem PR-Kniff Rüttgers dann aufwartet.

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