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15.09.2012

09:46 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Die architektonische Vision braucht den Wahnsinn

VonFrank Wiebe

Das jüngste Beispiel erhebt sich über Manhattans Skyline: Das neue World Trade Center. Ihm droht der wirtschaftliche Flop. Verwunderlich ist das aber kaum – denn oft profitiert erst die Nachwelt von baulichen Visionen.

Der Autor ist Handelsblatt-Kolumnist. Pablo Castagnola

Der Autor ist Handelsblatt-Kolumnist.

Das neue World Trade Center in New York droht wirtschaftlich zu einem Flop zu werden: Es fehlen die Mieter. Historisch gesehen ist das allerdings alles andere als ungewöhnlich. Viele spektakuläre, berühmte Bauwerke und Projekte steckten anfangs tief in den roten Zahlen oder rutschten knapp an der Pleite vorbei.

Das Empire State Building, die vielleicht immer noch berühmteste Architektur-Ikone von Manhattan, wurde mitten in die Flaute der 30er-Jahre hinein gebaut und stand zum Teil bis in die 50er-Jahre leer. Sein Wert als Wahrzeichen einer Stadt, die unermesslich viele Menschen und viel Geld anzieht, ist dagegen kaum zu beziffern.

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Zum elften Mal jähren sich morgen die Terroranschläge in New York. Die Bilanz auf der Baustelle des neuen World Trade Centers ist trüb: Mietinteressenten für die Wolkenkratzer sind rar. Trotz Schnäppchenpreisen.

Auch wenn man weiter zurückgeht in der Geschichte, finden sich Parallelen. Ludwig II. von Bayern baute zahlreiche Schlösser ohne jede Rücksicht auf die Finanzen seines Königreichs. Er war so verrückt, dass man ihn schließlich tatsächlich für verrückt erklärte. Die Schlösser stehen aber heute noch und haben sich langfristig als hervorragende Investition für das Land erwiesen. Und zwar gerade weil sie so verrückt sind: Ludwig hat eine Vergangenheit erschaffen, die es so nie gab, die aber Millionen von Menschen aus aller Welt begeistert. Ein Lehrstück dazu, wie manchmal auch die "Realwirtschaft" von der Schaffung virtueller Welten lebt.

Oder nehmen wir Schloss Versailles bei Paris, eines der gewaltigsten Projekte der Menschheit. Seine Grundlage war ein Staat, der politisch wie auch wirtschaftlich keine nachhaltige Grundlage mehr hatte. Die französischen Monarchen ruinierten die Staatskasse, um den Adel am Hof zu versammeln, ihn mit albernen Zeremonien zu beschäftigen und auf diese Weise zu entmachten. Hinter seinem Rücken baute das Bürgertum eine neue Gesellschaft auf und riss in der großen Revolution dann die Macht an sich. Aber etwas Ähnliches wie Versailles hat die Revolution nicht hinterlassen.

Kommentare (3)

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Gerhard

15.09.2012, 11:42 Uhr

Und?

Einanderer

15.09.2012, 21:55 Uhr

@Gerhard Und? Braucht der unmündige Leser etwa jemand der ihn an der Hand nimmt und ihm die Wertpapiere nennt in die er jetzt investieren soll?

Account gelöscht!

17.09.2012, 09:37 Uhr

Aha. Heißt jetzt die Schlußfolgerung, daß jedes verpulverte Geld eine Investition in die Zukunft ist? Also ich würde gerne auf solche Polit-Prestige-Projekte wie S21, Elbphilharmonie, Berliner Flughafen, Trans-Rapid, Nürburgring (die Liste ließe sich beliebeig verlängern) verzichten und stattdessen kleinere Projekte angehen, die den Menschen JETZT, HIER und HEUTE was bringen.

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