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27.10.2012

08:45 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Doping lohnt sich nicht für Unternehmen

Der Fall des Radprofis Lance Armstrong ist ein warnendes Beispiel. Nicht nur im Radsport kann Doping das Ende einer Karriere und Existenz bedeuten, sondern auch für Unternehmen lohnen sich die unsauberen Methoden nicht.

Frank Wiebe

Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Lance Armstrong, einst bewunderter Radprofi, ist zwar nicht all sein Geld los, aber alle seine Titel. Doping kann das Ende einer Sportler-Existenz bedeuten - und im schlimmsten Fall sogar das Leben des Sportlers gefährden. Trotzdem ist die Versuchung immer wieder groß, sich mit unsauberen Mitteln einen Vorsprung zu verschaffen.

Aber Doping gibt es nicht nur im Sport, sondern auch in der Geschäftswelt. Die simpelste Form ist eine exzessive Verschuldung - oder, wie es heute so schön heißt, ein großer Hebel, ein hoher "leverage". Mit dieser Methode, die jeder BWL-Student lernt, kann man praktisch in jeder Branche arbeiten, aber im Finanzsektor ist sie besonders beliebt. Das Prinzip ist simpel: Je kleiner das Eigenkapital ist, desto höher ist rechnerisch die Eigenkapitalrendite, dafür steigt aber auch das Risiko. Diese Rendite, die im Bankensektor heiß diskutiert wird, sagt daher für sich genommen überhaupt nichts aus, worauf zum Beispiel Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard gerne hinweist.

Doping gibt es nicht nur im Sport, sondern auch in der Geschäftswelt. dpa

Doping gibt es nicht nur im Sport, sondern auch in der Geschäftswelt.

Die Versicherer haben ihre eigene Dopingmethode. Sie besteht darin, zu risikoreiches Geschäft zu zeichnen. Damit steigt sofort das Prämienvolumen. Die Rechnung - in Form von höheren Schäden -, kommt oft erst Jahre später, möglicherweise wenn der Manager, der die Risiken eingegangen ist, schon seinen vergoldeten Ruhestand verbringt.

Eine weitere Methode, die fast überall funktionieren kann, ist eine allzu großzügige Bilanzierung. Gefährdet ist hier zum Beispiel der Anlagenbau, denn dort stellt sich immer die Frage, mit welchen Werten Projekte, die noch nicht abgeschlossen und bezahlt wurden, in den Büchern stehen. Wer mit Blick auf Investoren den Ausweis von Anlaufverlusten um jeden Preis vermeiden möchte, ist hier in Versuchung, die eigenen Leistungen, also im Grunde seine Kosten, sehr großzügig in Anschlag zu bringen, bevor er damit wirklich einen Gewinn eingefahren hat. Stocken die Projekte dann oder gerät ein Großkunde selbst in Schwierigkeiten, dann bricht das betriebswirtschaftliche Kartenhaus zusammen.

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